Mythos Griechenland – eine Woche AIDAblu Teil I

Ein Reisebericht von Hermann Graßl

Mythos Griechenland – Hermann war an Bord der AIDAblu und hat interessante, griechische Häfen bereist. Zurück gekommen ist er mit einem ausführlichen Reisebericht über das Leben auf dem Kreuzfahrtschiff, Kultur, Land und Leute, so dass ich seinen spannenden Bericht in drei Teilen veröffentlichen werde.

Alea iacta est – Carpe diem

Heureka, die Pandemie (fast) überstanden und endlich ruft uns die Schiffsglocke unseres ach so ans Herz gewachsenen Kussmunddampfers wieder auf den Prüfstand. Auf zu neuen Ufern und hin zu unbekannten geografischen Sehenswürdigkeiten. Gespannt wie der Schneider von Panama, planten und organisierten mein Zwillingssohn und ich eine Route im ägäischen und ionischen Meer rund um Griechenland für eine Woche auf der schicken AIDAblu. Wir waren gespannt auf den Mythos Griechenland!

Die Zeit schien überreif für Urlaub auf einer Cruise zu sein. Die Entscheidung fiel relativ schnell, nachdem die Route gewählt wurde. Oh, wie wir diese Zeit auf hoher See herbeisehnten nach so vielen Jahren der Enthaltsamkeit mit einem Kreuzfahrtschiff. Wir erinnerten uns vage an unsere letzte Reise hoch droben in der Ostsee auf dem Weg nach St. Petersburg via Tallinn, Helsinki und Stockholm, einer wahrhaft magischen und unvergesslichen Tour. Wie würde sich die Begegnung mit der Blu anfühlen? Würden wir sofort beim Betreten der Reling wieder eins werden mit der AIDA-Familie?

Wie auf Flügeln getragen, überwanden wir am 5. September 2021 den Luftraum in Richtung Korfu fast in Lichtgeschwindigkeit, denn wir trafen sage und schreibe 30 Minuten vor der offiziellen Landung auf dem örtlichen Flughafen Kerkyra ein. Das war schon mal ein positives Signal für den perfekten Einstieg in den Urlaub.

Mythos Griechenland – zurück an Bord!

Foto: AIDAblu im Hafen

Nach dem schnellen Transfer zum Hafen, absolvierten wir die Check-In Formalien im Sauseschritt und durften schon bald unsere Balkonkabine beziehen. Die Hängematte vor Augen, war erst mal Relaxen angesagt, um runterzukommen und in den Urlaubsmodus zu gelangen.

Selbstverständlich mussten wir eine erste Erkundungstour rund um das für uns neue Schiff starten und dank der Expertise von Timon, waren uns die wesentlichen Anlaufstellen und Hotspots auf den jeweiligen Decks schnell und bestens vertraut. So bekamen wir einen zielführenden Eindruck und Einblick von all dem, was uns erwarten würde auf dieser Route. Ein Kapitänsdinner hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen schon einmal vorstellen können. Wer weiß, vielleicht kann ich diesen Traum sogar leben, denn auf der Agenda des ersten Tages an Bord, stand eine Tombola zu einem guten Zweck. Als Hauptpreis gäbe es zumindest einen Blick hinter die Kulissen mit dem Captain Tönnies Kohrs und Hotel Direktor Steffen Haller.

Mythos Griechenland, Seetag, 06.09.21

Foto: AIDAblu an Deck

Der erste See Tag stand an, nachdem wir die traditionelle Sail Away-Prozedur mit dem Klassiker der irischen Sängerin Enya am Vorabend mit dem üblichen Kaltgetränk zelebriert hatten. Ein musikalischer Leckerbissen der Gruppe „The Deal“ und ihrer famosen Lead Sängerin sowie die peppige Lasershow auf dem Pooldeck, durfte ebenfalls nicht fehlen. Zuvor lauschten wir noch den professionellen Klängen des Piano Virtuosen Nenad, der uns mit bekannten Songs aus den 80‘iger, 90‘iger und Jetztzeit verzauberte. Allein sein Name hatte schon den griechischen Klang inne, d.h. beste Voraussetzung für einen tollen Start.

Eine interessante Randnotiz: Dank meines kürzlich neu erworbenen Activity Trackers, durfte ich am Tag 1 bereits unfassbare 15.000 Schritte verbuchen; diese stattliche Performance motivierte mich, zu weiteren Hochleistungen.

AIDAblu lief sogar 15 Minuten vor der offiziellen Deadline aus, nachdem auch die letzten Nachzügler an der obligatorischen Seenotrettungsübung teilnahmen. Die Blu führte dieses Mal knapp die Hälfte ihrer sonst üblichen knapp 2.000 Passagiere in ihren Büchern, was den Aufenthalt an Bord definitiv schon mal logistisch entspannter erscheinen ließ. Eine begehrte Liege zu ergattern stellte auf dieser Route fast keine Herausforderung dar, d.h. Handtuchreservierungen a la Mallorca entfielen ersatzlos und ist auch nicht stilvoll, bzw. mit der AIDA Philosophie überhaupt nicht konform. Diese Regel wollten wir partout nicht brechen.

Die erste Nacht verlief problemlos und fast gänzlich schnarchfrei laut Rückmeldung meiner jugendlichen Begleitung. Die Idee, mal unter Sternen auf dem Balkon draußen in der Hängematte zu verbringen, hatte ich noch nicht komplett über Bord geworfen.

Frühmorgens auf dem Weg zum Bella Donna Restaurant – im East durfte ich mit der aktuell verdienten Clubstufe Blau noch nicht draußen frühstücken – stellten wir zu unserer Überraschung fest, dass unser Schiff bewegungslos auf dem offenen Meer für längere Zeit verharrte; wir waren in Richtung Brindisi unterwegs, was der Kapitän am Vorabend wohl noch den Passagieren mitteilte. Geographisch durchaus ein kleiner Umweg auf unserem ersten Ziel, Katákolon bei Olympia.

Eine erste fundierte Erklärung fiel uns nicht ein, vermutlich hing dies mit der italienischen Reederei bzw. dem Eigner Costa Crociere S.p.A. zusammen, welche hier bestimmte Auflagen vorsah. So gesehen galt das mir vertraute Prinzip „der Weg ist das Ziel“ in diesem Fall nicht ganz, aber auf diese Weise, nahmen wir so nebenbei noch ein wenig Italien mit auf unserer Erkundungsroute durch das ionische Meer mit Abstecher in die Ägäis. Ich dachte hier spontan an die unvergessliche Aktion des damaligen Costa Capitanos, der sein Schiff an der Küste mal geschrottet hatte, als er angeblich seiner Geliebten von der Brücke einen Handkuss zuwarf. Die Folgen sind ja hinlänglich bekannt. Aber ich verwarf diesen wohl sehr abwegigen Gedanken umgehend, hatte ich doch vollstes Vertrauen in meine AIDA.

Foto: AIDAblu Wellness

Am Vormittag ab 9:30 begaben wir uns zu unserem ersten gebuchten Wellness Aufenthalt im Body & Soul Spa Bereich. Erster Programmpunkt dort war die Vita Life Liege zum Stressabbau. Diese Wahl lohnte sich mit 15 Minuten Relax Zeit und musikalischer Untermalung, je nach Gusto. Die Nutzung des dortigen Whirlpools war natürlich ein Muss und ließ uns im ideal temperierten Becken länger verharren, wobei die am Gerät frei wählbaren Bubbles und Massagedüsen das Ihrige zum Wohlfühlen beitrugen.

Mittags verköstigten wir uns im Burger Grill mit saftig zubereiteten Variationen, die auf schwarzen edel aussehenden Tellern serviert wurden, sehr ansprechend. Danach ein kurzer Stopp im Shop, um nach einer zusätzlichen Urlaubslektüre Ausschau zu halten und zwei Lose für eine Tombola des guten Zwecks zu erwerben. So sah der kurze Verdauungsspaziergang aus, bevor sich unsere heutigen gemeinsamen Seetagswege trennten, damit jeder seine Freiräume an Bord nutzen konnte.

Ich fokussierte mich auf die Fortsetzung meines Reiseberichts, der später Eingang finden wird auf der Homepage einer literarischen Mitstreiterin vom Bundesverband junger Autorinnen und Autoren e.V.. Über diesen wertvollen Kontakt bin ich sehr dankbar, zumal ich nun eine echte Kreuzfahrtautorin gewonnen habe, für meinen anvisierten Gedankenaustausch. Danke Hermann! 🙂

Nach einer schreibtechnisch schöpferischen Pause stand der Gitarrist Lee Wheatman auf der Agenda sowie ein Abstecher zur ersten Kunstauktion im Theatrium. Abends hatten wir für das Gourmet-Restaurant Rossini einen schicken Tisch reserviert, um das dortige lukullische 3- oder 4-Gänge Menu zu genießen.

Es wurden sehr ansprechende kleine Gerichte serviert, allem voran ein kleiner Gruß der Küche. Dies war ein kulinarischer Leckerbissen in Vollendung und die unterschiedlichen Gänge waren wohl gewählt und thematisch treffend arrangiert und präsentiert. Chapeau und Hut ab vor der Küche; am Ende machte der Sous Chef sogar seine persönliche Aufwartung im Saal und war offen für einen kleinen Small Talk. Nach diesem kulinarischen Erlebnis stieg bereits die Vorfreude für das Buffalo Steak House am zweiten See Tag als ideale Abrundung.

Zuvor holten wir uns die schiffsrelevanten Informationen von Janina, der Entertainment Managerin an Bord, in der AIDA Prime Time. Für mich war der Besuch beim Gastkünstler Niko Formanek Pflichtbestandteil: sein Bühnenprogramm lautete „Gleich Schatz“ und handelte von den alltäglichen Beziehungsproblemen.

Zum krönenden Abschluss, plante ich noch einen Filmabend unter Sternen; zur Auswahl stand heute der Klassiker „Mamma Mia“ mit der genialen Meryl Streep und dem ehemaligen Bond Darsteller Pierce Brosnan, die beide aus voller Inbrunst die breite Palette der berühmten ABBA Songs interpretierten. Letztendlich zog ich dann doch eine Runde um das Schiff vor.  

Mythos Griechenland, Olympia, Katákolon, 07.09.21

Foto: Unterwegs in Olympia

Am nächsten Tag begaben wir uns zu unserem ersten gemeinsamen Ausflug, zur berühmten griechischen Stätte Olympia, passend zu den fast zeitgleich parallel stattfindenden Para Olympics in Tokyo.  Für uns beide war dieser Besuch der Geburtsstätte der olympischen Spiele ein absolutes Novum und stellte somit das erste Griechenland-Highlight dar. Ich war mir schon jetzt sicher, dass uns der olympische Spirit durch die Exkursion begleiten würde. Getreu dem Motto „dabei sein ist alles“, betraten wir nach einer 30-minütigen gemütlichen Busfahrt durch die von Landwirtschaft geprägten Tiefebene – rund um die lauschige Hafenstadt Katákolon – die hochheiligen Stätten.

Bereits die sehr profunde und lehrreiche Vermittlung wertvoller Hintergrundinformationen zu Land und Leuten seitens unserer professionellen Reiseführerin Maria, hat mich tief beeindruckt. Mit solchen detailgetreuen Inputs konnte nicht unbedingt automatisch gerechnet werden. Chapeau und dickes Lob an Maria, was ich ihr auch zu verstehen gab. Geschichtlich bewegten wir uns ab 776 v. Chr. als zeitlichen Startschuss des olympischen Gedankens, erwähnten die französische Leitfigur Pierre de Coubertin und hoben die Bedeutung des Humanismus hervor im Sinne des Strebens nach der Einheit von Körper, Geist und Seele.

Seit diesem Jahr fanden dort im 4 Jahres Turnus Wettspiele zu Ehren des Gottes Zeus statt; die Zeus Statue im Zeus Tempel von Olympia galt als eines der sieben antiken Weltwunder; die dazugehörige Statue maß 13 Meter und war mit Gold und Elfenbein versehen.

Die frühen Kombattanten erachteten den Wettstreit als Basis zur Erlangung eines weiteren logischen Schritts in Richtung Olymp. Zu Beginn waren Streitigkeiten aller Art, insbesondere der ewig währende Neid nach Nahrung, ursächlich für die Austragung von Faustkampf, Diskuswurf oder Weitsprung aus dem Stand mit 2 Gewichten in den Händen zur Abfederung und Erreichung des nötigen Katapult Effekts. Heraklit oder Herkules war die Gallionsfigur des physischen Wettkampfs, dessen Realisierung in den damaligen Gymnasien stattfand. Ganz im Gegensatz zur Neuzeit, bedeutete gymnós „nackt sein“, denn jeder Wettbewerb wurde ohne Körperbedeckung, aber stets mit fairen Mitteln vollzogen. Ganz wie die Götter den Adonis schufen. Oberstes Ziel war die Katharsis oder auch Erlösung. Die glamourös gestaltete Siegesfeier vollzogen in der Regel Priester.

Foto: Unterwegs in Olympia

Auf dem archäologischen Gelände konnte man den Unterschied der Bauweisen gut identifizieren: Die Griechen verwendeten überwiegend Muschelkalk, während später die Römer etliche Bauwerke mit Ziegeln fortsetzten. Erwähnenswert ist die Tatsache, dass – trotz der weitaus bekannteren und häufiger gebrauchten Geschichten mit Zeus als Hauptdarsteller – der Hera Tempel zuerst konstruiert wurde. Die etymologische Ableitung von der eifersüchtigen Frau des Zeus stammt von der Göttin Rhea. Sogar Fragmente der zerstörten Nike Statue waren für uns zu bestaunen. Nike war übrigens die Tochter von Hera. Sehr beeindruckt hat mich auch der Altar von Hera zur Entzündung der olympischen Flamme.

Ein großer logistischer Vorteil war die kurze Anbindung an die beiden sich in der Nähe befindlichen Flüsse, die heutzutage nur im Sommer Wasser mit sich führen: der Kleinere, Kladeos und der große Fluss (der größte der Peloponnes) Alfios, waren tatsächlich in der Antike schiffbar. Die Küste soll sogar um einige Kilometer weiter landeinwärts gelegen sein vor ca. 2400 Jahren. auf diesem Weg konnten sogar Schiffe den schweren Marmorstein zum Bau der pompösen Tempel bis zum Eingangstor transportiert werden.

Absolut sehenswert war die endlos wirkende Rennbahn für die damaligen Laufwettbewerbe, bei denen die Zuschauer die spannenden Duelle sitzend bestaunen durften, während ein Schiedsrichter über die regelkonforme Einhaltung wachte. Maria mäanderte dann zur Entstehung der 3 größten griechischen Städte, die allesamt die Handschrift männlicher Architekten trugen: Primär Athen, wo knapp 50 % der gesamten Bevölkerung Griechenlands von 11 Mio. Menschen, leben. Thessaloniki und Patras sind die beiden anderen Metropolen, denen letztlich eine ausgeprägte Landflucht zu Gute kamen.

Foto: Unterwegs in Olympia

Die beschauliche Hafenstadt Katákolon zeichnet sich vor allem auch durch einen der längsten Sandstrände im Mittelmeer aus, durchaus ein nicht zu vernachlässigender Faktor, wenn man in dieses Land reist. Neben diesem Badejuwel punktete der Ort früher auch durch den Export von Korinthen und Baumwolle, wobei Letztere schon lange nicht mehr konkurrenzfähig ist.

Auf unserem Rückweg erspähten wir ein von Mönchen verlassenes Kloster, das noch in einem vorzeigbaren Zustand hoch droben auf den Hügeln erstrahlte. Nicht zu übersehen waren die schlimmen Auswirkungen, der erst kürzlich stattgefundenen Waldbrände. Damit ging wieder einmal ein wertvoller Baumbestand, v.a. Oliven, die prinzipiell nicht so einfach entfacht werden, zugrunde. Höchster Berg Griechenlands ist übrigens der Olymp mit 2.918 Meter, eine stattliche Höhe für dieses weitverzweigte Land. Der höchste Gipfel von Peloponnes erreicht 2.400 Meter.

Auf einen Trugschluss ist noch kurz einzugehen: Die Peloponnes wird zu Unrecht bis heute als Insel bezeichnet, was aber anhand der Landkarte von Griechenland verdeutlicht wird. Der Begriff Insel hatte sich lediglich aus Marketingzwecken durchgesetzt, weil damit besser Geschäfte gemacht werden konnten.

Foto: Mythos Griechenland

Die Cocktailstunde

Foto: AIDAblu – ein „Kult“-Kunstwerk an Bord

Sicher und mit zahlreichen Erkenntnissen versorgt, kehrten wir zur Blu zurück, wo ich dann sofort wieder – dank meines all inclusive Comfort Getränkepakets – dem zügellosen Cocktail Genuss frönte. Mit diesem außergewöhnlichen Package ausgestattet war meine ansonsten gelebte Disziplin, nur schwer zu bändigen. Bisher musste ich nur eine alkoholische Variante definitiv ausschließen: Der crossing the ocean Cocktail bekam von mir keine Punkte, bisheriger Favorit war ganz klar der erfrischende Kokos Froozie, den ich meistens in der Blu Bar einnahm. Binnen nur 2 Tagen, hatte ich bereits so viele Cocktails getrunken, wie auf all meinen bisherigen Fahrten zusammen. Keine schlechte Performance.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass es für uns ein echter Glücksfall war, in einem der Sonnen Restaurants, dem Bella Donna, meistens einen Platz zum Frühstück Mittagessen oder Dinner draußen zu bekommen. Netter Nebeneffekt: Der Show Master des gestrigen Abends mit dem Titel „Gleich Schatz“ nahm auch an diesem Ausflug teil. Hier nutzte ich die einmalige Gelegenheit, ersten Kontakt mit ihm zu knüpfen. Mir gefiel sein Wiener Schmäh, den er sympathisch ausstrahlte. Es gab in der Tat Gemeinsamkeiten, denn auch er hatte so wie ich in den USA studiert. Er verbrachte seine akademische Zeit in Los Angeles und engagierte sich im Laufe seiner 8 Jahre in einem lokalen Wahlkampfteam für Kongressabgeordnete. Dieser Baustein in seiner Vita, hinterließ einen bleibenden Eindruck bei mir. Darüber hinaus war ich begeistert von seiner Eishockey Affinität, zumal er selbst bei einer Altherren-Hobby Mannschaft mitwirkte, die den netten Namen „Wiener Walzer“ trägt, was sich sehr gut auf das Eis übertragen lässt. Hoffentlich steht einer längeren Kommunikation nichts im Wege auf der Tour, zumal er selbst noch 2 Shows geben wird und meistens in der Nähe des Theatriums zu finden wäre.

Zum nachmittäglichen Abschluss lauschten wir noch dem Bericht von Knut Edler von Hofmann zu den bevorstehenden Reisezielen Heraklion und Rhodos, damit wir auch gut präpariert dem neuen Seetag begegnen konnten. Unmittelbar danach, durften wir das Ablegen der AIDAblu heute bereits um 17 Uhr verfolgen.

Der leidenschaftliche Erzähler Knut war auch hier wieder in seinem Element. Neben der Erwähnung der 3 Inselstädte, die nach ihren 3 Kindern benannt wurden, legte er vor allem den Akzent auf Lindos als bezaubernden Hotspot. Selbstredend ist der Besuch von Knossos mit seinem altehrwürdigen Palast, der zwar im Laufe der Jahrhunderte nahezu zerstört wurde, ein absolutes Muss für den Kreta-Urlauber. Nicht zu vergessen war der Hinweis auf eines der 7 Weltwunder, den Koloss von Rhodos, der mit seiner stattlichen Höhe von 32 m fast alles überragte. 66 Jahre hielt dieses einzigartige Bauwerk allen Widrigkeiten stand, bis er schließlich aufgrund eines Erdbebens einstürzte.

Unser zweiter Standort Kreta, rief bei mir Erinnerungen an meine Reise als Jungspund hervor, als ich mit unseren damaligen Nachbarn die berühmte Samaria Schlucht tapfer durchquerte. Letzte Anmerkung von Knut war die Demonstration der sagenhaften Goldschmiedekunst der Minoer; hier zeigte er den aufmerksam lauschenden Gästen ein Bild mit einem nur knapp 3 cm großen Ohrring, der in seiner filigranen Machart seinesgleichen sucht auf diesem Sektor. Schließlich lernten wir noch einen uns gänzlich unbekannten Begriff: Die Präzession als das Schlingern im Planetensystem, nicht zu verwechseln mit der Präzision als Genauigkeit. Herr Edler gab den Kontext zum dazugehörigen Zyklus im Rahmen der Erdachse.

Interessant ist sicherlich, dass der Stier mit dem Schlingern (Präzession) der Himmelsachse/Erdachse in Verbindung gebracht wurde. Daher der Stier als Tierkreiszeichen am Himmelsfirmament, der Stier (mit Perseus) den Himmel beherrscht und kontrolliert, und sich dieses Element als Stierkult in den Kulturen des Vorderen Ostens entwickelte. Somit lernten wir was Neues dazu auf der AIDA.

Ein wichtiger Termin für die Technikfreaks unter den Mitreisenden, stand später noch an: Die nautische Stunde mit dem Sicherheitsoffizier Felix Gerber, der eine reichhaltig gespickte Vita vorweisen konnte. Neben den Längen- Höhen und Breitenmaßen, nannte er über 8000 m² Segelfläche, fast 3 -mal so viel wie auf der Gorch Fock; das hat auf den ersten Blick sehr irritiert, macht aber letztlich doch viel Sinn, da der Kahn eine eminent große Angriffsfläche für Wind und Böen aufweist, die es mit einem strategisch geschickten Steuern zu bewältigen gilt. Hierfür kommt das international übliche und bewährte EICS Engine Integrated Control System zum Einsatz, man spricht hier auch von einem Kollisionsverhinderungsregelwerk.

Der Abend an Bord

Foto: Blick ins Theatrium

Der Abend wurde mit der traditionellen Prime-Time von der charmanten Janina eingeläutet. Das heutige Motto stand ganz unter dem Zeichen des Cyclings. Dazu holte sie sich die reizende Anna von Body & Soul auf die Bühne, die hauptsächlich die Passagiere mit ihren schweißtreibenden Kursen positiv, sprich mit Eustress, quälte.

Dann erschien als Überraschungsmoderator der Wiener Comedian Niko Formanek vom Vorabendprogramm. Niko stellte beide Damen, die nun medienwirksam per Hebebühne mit einem Spinning Rad ausgestattet wurden, vor knifflige Probleme mit seinen trefflich gewählten Fragen. Es war schon vor Beginn des ungleichen Wettkampfs klar, dass hier nur die hübsche Anna als Siegerin vom Pedal treten würde. Zu sehr waren die Antworten auf ihre Person zugeschnitten.

Nahtlos an dieses bunte Feuerwerk an spitzfindigen Fragen, schloss sich danach die Solo Performance von Birgit Widmann an, die mit ihrer unverwechselbaren Stimme so bekannte Songs von Tina Turner, Madonna, Amy Winehouse und Whitney Houston sang. Ich war tief beeindruckt von ihrem Stimmvolumen, was in ihren fantastischen letzten Song mit dem Titel „I will always love you“ in einer Gesangsexplosion kulminierte. Wie die Amis so schön zu sagen pflegen: „She can really belt it out“. Dem war nichts mehr hinzuzufügen.

Vor der nächtlichen Ruhephase machte ich noch meinen Schiffsrundgang, um in der AIDA Lounge an einem lustigen Gesellschaftsspiel seitens der reizenden Gastgeberinnen auf AIDAblu teilzunehmen. Es lautete „Werwolf“ bzw. ‚Nachts in Olympia‘ und war für mich völlig unbekannt, obwohl ich schon so einige Spiele in meinem von Kindern geprägten Leben kennenlernen durfte.

Es wurden zwei Runden gespielt, ich agierte in der Funktion eines trivialen Dorfbewohners und übte meine Rolle als Amor. Leider wurde ich in beiden Varianten recht bald von den Werwölfen gefressen und das Spiel war damit für mich beendet. Anfangs hatte ich mich noch als Bürgermeister aufstellen lassen, präsentierte eine flammende Rede, musste mich jedoch am Ende der Dorfschlampe geschlagen geben, was sich erst im Laufe des Spiels herausstellte. Diese Schmach konnte ich nicht auf mich sitzen lassen und es hatte bestimmt ein Trauma ausgelöst, das noch ich im Laufe der Griechenland Tour verarbeiten musste. Weitere tragende Rollen waren eine Seherin und eine Hexe, die ganz spezielle Aufgaben zu erfüllen hatten. Eine Spielleiterin fungierte als Erzählerin und Interpretation der Resultate. Ich für meinen Teil beobachtete nun das Geschehen in diesem fiktiven Dorf und erfreute mich an den gefräßigen Wölfen.

Foto: AIDAblu by night

Hat Euch Hermanns Reisebericht bisher gefallen? Am Mittwoch, den 22.09.21 geht es weiter mit Teil II. Dann geht es nach gemäß dem Motto: „Mythos Griechenland“ nach Heraklion und Rhodos!

Alle Fotos wurden mir von Hermann für diesen Blogbeitrag zur Verfügung gestellt.

Zur Homepage von AIDA geht es hier.

Vielleicht auch interessant?

AIDA Clubbotschafter Sascha über seine Rückkehr an Bord

Leave a Reply

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.