Großbritannien & Norwegen im Duett – Teil II

Sonne pur im hohen Norden mit AIDAsol

Großbritannien & Norwegen – Dies war für den Autor Hermann Graßl bereits die sechste Tour mit dem Kussmundschiff. Dieses mal war er zu viert unterwegs. Ich freue mich, dass er heute mit Teil II seines Reiseberichtes meinen Blog bereichert.

Auf geht es nach Schottland, England und Norwegen oder auch Großbritanien & Norwegen im Duett!

Großbritannien & Norwegen im Duett – Invergordon

Foto: Dunrobin Castle

Das schottische Invergordon ist kausal verknüpft mit dem weltweit bekannten Fabelwesen Loch Ness, das man selbstredend mit einer geführten Exkursion zum Urquhart Castle heimsuchen konnte. Ich verortete das magische See Ungeheuer wie den weißen Hai in das Reich der Zauberei und Trickserei. Ness bedeutete im Übrigen Nase.

Es bot sich eine Exkursion zu einem landschaftlich reizvoll gelegenen Schloss an, welches wir samt dem weitläufigen Garten mit all seinen Details ausgiebig erforschten und von seiner mannigfaltigen Pflanzenvielfalt überwältigt waren. Von den beiden Optionen Cawdor Castle und Dunrobin Castle wählten wir Letztere, die richtige Entscheidung wie sich an diesem erneut ungewöhnlich warmen und sonnigen Tag herausstellte. Genauso durfte es ruhig weitergehen, botanisches Naturschauspiel gepaart mit architektonischer Meisterleistung.

Schottland verband ich sofort mit den Kinohelden James Bond und den düsteren Ort Skyfall. Erinnerungen an die gemeinsame Fahrt des stets elegant gekleideten Agenten mit M dorthin beeindruckten sofort mein Kopfkino. Die Schlusssequenz spulte sich Szene für Szene ab und ich war eingetaucht in diese Location, die kinematografisch in die Geschichte einging.

Foto: Schottland ohne Dudelsack? Undenkbar.

Unser Ausflug lief weitaus beschaulicher ab: Nach einem etwas chaotischen Check In im Bus am Pier transportierten uns der Fahrer Steve zusammen mit unserer etwas betagteren Reiseleiterin aus Inverness hinein ins Hinterland in Richtung Invergordon, genauer genommen in den verschlafenen Ort Golspie nahe Inverness, wo uns ein beeindruckendes Schloss erwarten würde. Die Fischzucht musste gegen die stetig vereinnahmende Turbinen Industrie kapitulieren, auch wenn man noch den einen oder anderen Austernfischer entdecken konnte und auch ein partieller Muschelfang stattfand. Aus dem Gerstensaft wird der schließlich Whiskey hergestellt, Grabsteine zeigen noch die damaligen Berufsbezeichnungen, die Buche kam aus England und das rote Eichhörnchen auch Tufty genannt, dominiert den grauen alles fressenden Artgenossen aus England. Es gab große Festwiesen, auf denen die weltberühmten Highland Games stattfanden. Aktuell fände auch ein Dudelsack Festival in der Region statt.

Schafzucht anstelle von Kleinbauern Idylle, die Clearances seinerzeit resultierten in der damit einhergehenden Landvertreibung. Die karge Landschaft stand in völligem Kontrast zum gewohnten Bild zuhause, eine durchaus willkommene Abwechslung für unser Auge. Varietas delectat (Abwechslung tut gut)!

Foto: Die Falken des Schlosses

Am Dunrobin Castle angekommen, dem ‘jewel in the crown of the highlands‘, spazierten wir schnurstracks zur Falknerei Vorführung hinunter in den nach Versailler Vorbild konzipierten ausladenden Garten. Leider waren keine farbenprächtigen Blumen und Sträucher zu sehen, die wir in dieser Jahreszeit eigentlich erwartet hätten. Die Besichtigung des Schlossinneren stellte sich als Highlight heraus: wir stolzierten durch verwinkelte und enge Treppen, angefangen vom grandiosen voll gedeckten Speisezimmer, durch die Bibliothek mit ihren über 10.000 Büchern hinauf in die oberen Gefilde zum kreativ eingerichteten Spielzimmer. Während unserer spannenden und geschichtsträchtigen Tour durch die alten Gemäuer wurden wir auf Schritt und Tritt von der Linie der Sutherlands begleitet.

Foto: Das Speisezimmer des Schlosses

Dunrobin zählt zum am nördlichsten gelegenen Herrschaftshaus und war mit 189 Zimmern das Imposanteste der Highlands. Seine Entstehung im 13. Jahrhundert merkte man ihm gar nicht an, so strahlte es im Glanz der Sonnenstrahlen. Die Gitter des sicher furchterregenden Kerkerareals wurden nur teilweise von der wuchernden Natur freigelegt. Die Herrschaftsfamilie der Mac Kenzies hatte in den Highlands seinerzeit das Sagen und bestimmte das Dasein der Landbevölkerung.

Nette Randnotiz: Am heutigen Nachmittag fand im Schloss sogar eine Hochzeit statt, was sich im Aufbau eines stattlichen Festzeltes unterhalb der gigantischen Gartenanlage offenbarte. Peu a peu trudelten die Gäste dieses Events ein, das Brautpaar verpassten wir jedoch. Es war ein reges Treiben zu spüren und das Schloss erweckte wieder zum Leben. Im prächtigen Musiksaal lagen bereits die Reservierungen auf den Stühlen und die Pianistin spielte das Klavier warm. Ein standesgemäßes Ambiente für uns als einmalige Besucher. Jedes Fenster hielt einen tollen sonnendurchfluteten Ausblick in die Gärten parat.

Foto: Blick in die weitläufige Gartenanlage

Auf der Rückfahrt nahmen wir eine vielversprechende Abkürzung, um unsere gespannten Blicke auf die Sandbanken zu richten, wo wir tatsächlich eine Horde von Seehunden zu fotografieren bekamen, die dort ihr Sonnenbad einnahmen. Außerdem trafen wir auf Graugänse, Höckerschwäne und Shetland Ponys, die seelenruhig und zufrieden grasten. Als finaler Eye Catcher ragte auf einer der Erhebungen ein großes Denkmal heraus, das auch das Männlein genannt wird, eine putzige Umschreibung laut unserer Tour Guide, die unweit von Invergordon wohnt und lebt, nachdem sie ihre Heimat Düsseldorf vor langer Zeit aufgab, um die vielfach gepriesene Gastfreundlichkeit in dieser klimatisch doch herausfordernden Gegend kennenzulernen.

Lektor Jan Holthuis nahm uns abends nochmals mit in die reichhaltige Geschichte Schottlands. Untermalt vom Song Caledonia betonte Jan den gälischen Ursprung und meinte, die vor zig Millionen begonnene Eisschmelze sei bis dato immer noch nicht gänzlich abgeschlossen. Er betonte die Existenz von Hügelgräbern, Wikinger Ruinen und steinzeitlichen Grabanlagen. Auf das Grab der Adler, Tomb of the Eagles, und das Amesbury Archer Grab mit einem Bogenschützen wies er explizit hin, und auch der Ort Knowth in Boyne war in diesem Kontext erwähnenswert. Jan referierte kurz über den Heel stone Fersenstein und brachte dabei die Archeoakustik als wissenschaftliche Variante ins Spiel. Überreste der damaligen Hallstadt Kultur gab es ebenfalls zu bewundern.

Die Frage, ob die Pikten Krieger keltischen Ursprungs waren, konnte nicht abschließend gelöst werden. Nichtsdestotrotz erwiesen sich die Pikten als ein gebildetes Volk für damalige Maßstäbe. Mit der konflikthaltigen Missionierung durch christliche Mönche, namentlich von St. Columban schloss Hr. Holthuis ab und illustrierte nochmals die Königreiche auf der historischen Landkarte. Northumbria bildete hier ‚the mighty kingdom‘ unter allen.

Großbritannien & Norwegen im Duett – Shetland Island

Foto: Per Tender in den Hafen

Mit diesen einst dänischen Inseln, die Dank einer Mitgift ganz unblutig und ungewöhnlich an die Schotten gelangten, verband ich unzählige Schafherden, die blökend und unaufhörlich die Grasnarbe durchforstend durch die weite Landschaft zogen und eine starke Symbolkraft entwickelten. Der vermeintlich einsame Schäfer als Hüter seiner Truppe, die ihm ohne zu murren, die Gefolgschaft nicht verweigerte. Assoziationen zu Shaun das Schaf waren die logische Folge. Der kuschelige und etwas tollpatschige Serienheld bereitete uns schon viele Jahre höchste Verzückung und viel Freude bei seinen Abenteuern. Sollte ich etwa ein zotteliges Exemplar mit auf das Kussmundschiff schmuggeln? Ich verspürte für einen kurzen Moment den Reiz dieses waghalsigen Plans, verwarf ihn aber dann gleich wieder, um mich an deren Lautmalerei und Komik Elementen zu erfreuen. Vielleicht wäre ein drolliges Pony doch besser gewesen; die 107 cm großen niedlichen Exemplare transportieren bis zu 60 kg Gewicht.

Unser heutiger Fokus galt voll und ganz dem Spaziergang durch die Jahrhunderte, wobei der Genuss von Fish und Chips als very british feature natürlich nicht fehlen durfte. Darüber hinaus hätten noch der Ausflug zur Ausgrabungsstätte Jarlshof und die Vogelwelt des Sumburgh Head Leuchtturms auf der Angebotsliste gestanden.

Nach einem etwas stärkeren Wellengang ankerte unser Kussmundschiff wie geplant ca. 500 Meter vom Hafen Lerwicks entfernt. Novum auf unseren Aida Cruises: Nur mittels Tender Booten gelangten wir auf die Insel. Dies versprach einen kleinen Nervenkitzel, wobei bei einem mäßig zu erwartenden Seegang keine Gefahr in Verzug war.

Foto: Regatta vor Lerwick

Im sogenannten DP Modus (Dynamic Positioning), ein nautischer Terminus Technicus, hielt die Sol automatisch ihren Anlegeplatz und spuckte auf der Backbord Seite seine drei sich im ständigen Einsatz befindlichen gelben Taxis aus dem Schiffsbauch, die uns Passagiere gemütlich von A nach B schipperten. Die Überfahrt sollte nur 5 Minuten dauern und die wendigen Wassertaxis waren kontinuierlich bis zum Ablegen um 17 Uhr im Einsatz. Wenn man Glück hatte, gab es sogar eine Privatfahrt zurück zum Mutterschiff, ein willkommener kleiner Luxus.

Interessanterweise fand heute früh auch der Startschuss zu Teil II der Segelregatta Lerwick – Bergen statt und zahlreiche bunt beflaggte Segelschiffe kreuzten wie ein Schwarm Fliegen unsere Aida Sol. Der Rekord für diese sportliche Strecke betrug knapp 24 Stunden. Erst als die mutigen Segler von der Bildfläche verschwanden, wurden die Tender Boote zu Wasser gelassen und es bestand kein Anlass für potentielle Kollisionen.

Foto: Blick vom Fort

Bei stabilen, leicht windigen Bedingungen marschierten wir zunächst hinauf zum Fort Charlotte, das heutzutage nur noch zur Kadetten Ausbildung genutzt wird. Meine Trophäenjagd nach dem angesehenen Simmer Dim Bier oder Sjolmet Stout blieb leider erfolglos, da am heutigen Sonntag alle Geschäfte geschlossen waren. What a pity, das war auch die Aussage der Dame im Informationszentrum.

Ein Schlenker am Rathaus vorbei brachte uns dann auf die zentrale Commercial Road, die wir bis ganz hinaus an das westliche Stadtende verfolgten. Dabei stieß uns ein Name öfters ins Auge: Anderson – zum einen gründete diese gewichtige Persönlichkeit ein Witwenhaus, erbaute ein stattliches Institut auf der Anhöhe, das auf uns den Eindruck eines Internats machte und schließlich kamen wir an einem großen Warenhaus vorbei, das ebenfalls seinen Namen trug. Arthur Anderson erblickte das Licht der Welt in Lerwick und ist der Mitbegründer des Schifffahrtsunternehmens P&O. Ihm wird auch die Erfindung des Begriffs „Kreuzfahrten“ nachgesagt. Welch ein historischer Boden, den wir hier betraten und was für Kausalitäten!

Foto: Witwenhaus der Andersons

Völlig unerwartet zeigte sich auch noch die Sonne von ihrer schönsten Seite und wir erschlossen die Kleinstadt zügig und zielstrebig. Einheimische trauten sich wohl nicht auf die Straße, die AIDAsol Gäste bestimmten an diesem Sonntag das Stadtbild.

Fischbrühe nach Shetländer Art oder Hering mit Zwiebeln blieben unserem Gaumen somit erspart, zwei Gerichte, mit denen Lerwick punktete. Daneben hätten wir auch Reestit, gesalzene Lammkeule, die über einem Torffeuer gebraten wird, oder Lentil Brö, eine Linsensuppe bzw. die Brönies, der heimische Shetland Burger gerne mal probiert. Gerade die besondere Wurstfüllung gewürzt mit Nelken und Zimt stach kulinarisch heraus und hätte eine Kostprobe verdient gehabt. Whikpull war bei den Shetländern genauso beliebt wie das schottische Nationalgetränk, der Whiskey.

Auffällig war auch ein lupenreiner Sandstrand direkt am Hafen, der zum Baden einlud, wenn nicht der Wind so schrecklich kalt gepfiffen hätte. Ein Neopren Anzug war hier wohl die Grundausstattung oder waren die Shetländer so abgehärtet und hartgesotten, dass sie tatsächlich diesen Temperaturen bedenkenlos trotzten.

Die Rad Tour meines Sohnes nach Scalloway war dank der Pedelecs bzw. E-Bikes von Aida problemlos zu meistern und zur Belohnung standen etliche Schafe und Ponys Spalier für ein lohnenswertes Foto. Und das Bade-Rätsel wurde schließlich gelöst, denn er beobachtete Menschen, die am besagten Strand mutig in die Fluten sprangen.

Foto: Lerwick Pier

Wir haben den nördlichsten Vorposten Großbritanniens zu schätzen gelernt mit seiner 6.000-jährigen Geschichte. Die zumindest heute verschlafene und beschauliche Hauptstadt Lerwick mit seinen nur 8.000 Einwohnern war eine Reise wert und der gewöhnungsbedürftige schottische Akzent klang herausfordernd. Mich erinnerte er an Song Extrakte des ESC Siegertitels von Lena aus dem Jahr 2010, „Satellite“. Musikalisch hätte Amy McDonald sicherlich noch einiges mehr dazu beigetragen, diesen Akzent näher zu durchleuchten.

Enya‘s Auslauf Song „Sail away“ intonierte erst nach dem offiziellen Startschuss zum Ablegen, da die Melodie wegen der Sonntagsruhe erst nach ca. 1000 m auf offener See abgespielt werden konnte. Kapitän Moritz Pankau wollte bei zunehmendem Wind mehr Geschwindigkeit aufnehmen, um Energie- und Sprit sparender unterwegs zu sein und auch die erneute Zeitumstellung, nun zu unserem Nachteil, zielführend zu nutzen.

Das war Teil II des Reiseberichtes von Hermann Graßl. Mit Teil III – Großbritannien & Norwegen im Duett – geht es weiter am Sonntag, 24.07.22, dann gibt es u.a. interessante Eindrücke aus Norwegen aus Bergen, Haugesund und Kristiansand

Alle Fotos wurden mir von Hermann für diesen Blogbeitrag zur Verfügung gestellt.

Neugierig geworden auf AIDAcruises. Zur Webseite geht es hier.

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