Großbritannien & Norwegen im Duett – Teil I

Sonne pur im hohen Norden mit AIDAsol

Großbritannien & Norwegen – Dies war für den Autor Hermann Graßl bereits die sechste Tour mit dem Kussmundschiff. Dieses mal war er zu viert unterwegs. Ich freue mich, dass er heute mit Teil I seines Reiseberichtes meinen Blog bereichert.

Auf geht es nach Schottland, England und Norwegen oder auch Großbritannien & Norwegen im Duett!

Großbritannien & Norwegen im Duett – Reisegedanken

Foto: Pooldeck der AIDAsol

Schottland, England und Norwegen, drei auf den ersten Blick ungleiche Partner auf unserer Tour durch den hohen Norden. Frühgeschichtlich haben sich diese beiden Länder geografisch vor Millionen von Jahren mal angenähert, bevor die Schöpfung was anderes vorhatte und daraus die heutigen, autarken Landebenen gestaltete.

Wir waren gespannt wie ein Schneider, welche grandiosen Shows an Deck der Sol geplant waren. Auf unseren bisherigen Routen wurden wir stets von hochkarätigen Tänzern und Sängern an Bord verwöhnt. Wieso sollte es dieses Mal auch anders sein? Gedanklich war ich schon auf den bewährten Pianospieler eingestellt, der gewöhnlich untertags auf Deck 9 im Theatrium sein Bestes gab. Vielleicht entstammte er oder sie auch der Band bzw. Combo, welche die Reisenden mit einem breitgefächerten Repertoire verzückte. Die AIDA Sol Bar sollte auch auf dieser Fahrt mein ständiger Aufenthaltsort sein, wo ich dank der dort angebotenen leckeren Froozies bestimmt die ideale Inspiration für die Konzeption meines Reiseberichts fand. Diese ‚Schreiboase‘ wurde zu meinem Reise Mittelpunkt.

Was mir noch in meiner Kussmund Sammlung fehlte, war ein kompletter Besuch im Brauhaus, sprich ich musste dort endlich einmal das eigens gebraute ganz spezielle Bier probieren. Mir wurde wärmstens empfohlen, diese Sorte unbedingt kennenzulernen, um die kulinarische Reise auf der ‚Sol‘ dadurch ideal abzurunden.

Würde uns auch auf dieser Reise wieder ein Charity Kunstwerk erfreuen? Auf meiner Mittelmeertour gab es einen Aha Effekt seitens eines philippinischen Ingenieurs, der eine sagenhafte Seekarte aus dem Hut gezaubert hatte. Dieser Künstler erwies sich als wahrer Glücksgriff für die Besatzung, denn er kreierte auch den imposanten Anker am Whirlpool in der Wellness Oase der „Blu“.

Chapeau für diese tolle Performance und kreative Vielfalt an Bord!

Wie stand es mit Fitness an Bord und dem Fokus auf gesundem Essen? Dank meines Trackers war ich bestens präpariert, um ausschließlich die Treppenstufen zu wählen und den Lift tunlichst zu meiden. Von unserer Kabine auf Deck 5 aus ging es kontinuierlich nach oben. Meine Erfahrung aus der letzten Fahrt kommt mir nun zugute, denn ich werde das Tagesziel auf 14.000 Steps a priori justieren. Diese auf den ersten Blick unerreichbar klingende Zahl ist locker zu stemmen und sogar zu übertreffen.

Großbritannien & Norwegen im Duett – Seenotrettungsübung 2.0

Erste unaufschiebbare Amtshandlung an Bord sollte die Seenotrettungsübung 2.0 sein, welche neuerdings auf kleiner pragmatischer Sparflamme ohne viel Gedöns und in überschaubaren Kleingruppen absolviert wurde: Schnell, zielführend und unaufgeregt. Auf diese Weise wurde den Corona Regeln Rechnung getragen und der Zweck heiligte die Mittel. Novum auf dieser Fahrt: Die Absolvierung der Übung war auch digital möglich, ganz bequem und entspannt in der Kabine, indem man diverse Themenblöcke durchklicken sollte und am Ende seine Bestätigung hinterlegen musste. Schließlich musste man nur noch mit der Rettungsweste bekleidet an seiner Musterstation kurz erscheinen, wo das finale OK vergeben wurde. Da wir schon mittags an Bord weilten, erledigten wir diese Anforderung zügig. Der obligatorische Schiffsrundgang gepaart mit der nautischen Stunde würde bestimmt der Entdeckung und Erforschung aller spannenden Ecken und Winkel dienlich sein.

Eine erste zielführende Erkenntnis gewann ich im Fitnessbereich: Mangels Turnschuhe war es sogar gestattet, mit Straßenschuhen auf den seitlich mit Meerblick positionierten Rädern sich die ersten Pfunde herunter zu strampeln. Kulinarik und Sport sollten ein Tandem bilden. Leider mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass das Rossini Restaurant bis auf das Farewell Dinner jeden Abend geschlossen hatte, ein Novum auf unseren Aida Fahrten, das hatten wir noch nie erlebt und war wohl den Auswirkungen der Pandemie geschuldet.

Großbritannien & Norwegen im Duett – Sail away aus Hamburg

Foto: Blick auf das Welcome Höft in Hamburg

Als erstes Highlight folgte die Hanseatische Auslauf Aktion mit original Fischbrötchen gratis sowie dem schiffseigenen Astra Pils als Aufpreis. Die Krabbenvariante stellte sich definitiv als kulinarischer Leckerbissen heraus, zumal wir das lokale Krabbenprodukt bereits aus unserer früheren Deutschlandtour per Zug nach Husum zu schätzen lernten.

Unmittelbar danach stand Enyas One-Hit-Wonder auf dem Programm, dem wir auf dem Pool Deck lauschten und zugleich die grüne Küstenlandschaft an der mächtigen Elbe mit ihren herrschaftlichen Landsitzen und Villen bewunderten, die zu uns sehnsüchtig rüber lugten. Wir wählten virtuell das eine oder andere Traumhaus und harrten der Vorbeifahrt am historischen Welcome Höft, den wir kurz nach 19 Uhr anliefen. Der Kapitän hatte bereits alles im Vorfeld organisiert und mit dem Personal vor Ort vereinbart, dass sowohl die deutsche als auch die italienische Hymne gespielt würden, wenn wir im Schnecken Tempo vorbeifuhren. Erinnerungen an unsere frühere Reise dorthin kamen sofort hoch; die im dortigen Museum platzierten Buddel Schiffchen hatten sich fest im Gedächtnis der Kinder eingeprägt.

Bevor wir zum Abendessen schritten, gab der Kapitän Moritz Pankau im feinsten Hamburger Schiffsnautik Jargon wertvolle Inputs zum Start der Reise: Das Ablege Manöver würde sogar überpünktlich von statten gehen und die Brücke der AIDAsol hatte fest vor, vor der ebenfalls abfahrtbereiten Queen Mary 2 den günstigen Elbstrom zu nutzen, um nach dem Traversieren gleich den ersten willkommenen Schub zu genießen, der das Kussmundschiff nach vorne katapultierte. Die optische Täuschung des direkt auf die Bloom und Voss Werke Zusteuerns war ein erster Kitzel für die Passagiere und gab ihnen einen guten Eindruck über die Manövrierfähigkeiten der Sol. Bei einer minimalen vernachlässigbaren Windstärke von nur 0,5 Beaufort verniedlichte der Kapitän dies als ‚Ententeich‘, d.h. das waren lediglich Peanuts für das Schiff. 0 bedeutet ruhige See und 1 leichte Luft auf dieser Skala mit insgesamt 12 Stufen.

Die AIDAsol wollte unbedingt seine eigene Fahrrinne kreieren und den traurigen Blick auf die Stoßstange des britischen Traditionsriesen vermeiden. Es erfolgte der übliche Lotsen Einsatz mit dem geplanten Wechsel weit draußen auf der Elbe. Der letzte Lotse brach um Mitternacht den Kontakt wie besprochen ab, und die AIDAsol war auf sich gestellt.

Frisch gestärkt harrten wir der ersten Prime Time mit dem Entertainment Manager Dennie, der gleich mal drei Hochkarätiger präsentierte: Hotel Direktor Steffen Haller, Food und Beverage Direktor Benny Rutz und Guest Commerce Manager Christian Eichstädt. Man versprach viele interessante und spannende Events auf der Tour und die Passagiere waren sehr gespannt, was sie alles erwarten würde.

Großbritannien & Norwegen im Duett – Seetag

Foto: Kunst am Seetag

Wer an der Küste bleibt, kann keine neuen Ozeane entdecken“ (Ferdinand Magellan, Portugiesischer Seefahrer und Weltumsegler)

Die obligatorische Meldung des Kapitäns um 10 Uhr vormittags mit lehrreichen Infos zu Geschwindigkeit, der aktuellen Tauchtiefe und dem Prozedere beim Einlaufen in den ersten Hafen auf dieser Reise faszinierte mich wie bei allen bisherigen Kussmundtouren. Interessanter Fakt waren die 9 Knoten Speed, die etwas langsam anmuteten, aber wegen derzeit nur 50% aktiver Generatoren plausibel erschienen. Erst wenn die Sol die Doggers Bay bei Newcastle ansteuerte, würde man auf volle Kapazität hochfahren.

Nun war es endlich soweit und unser Lektor Jan Holthuis, der aus Ostfriesland stammt, hatte seinen ersten Auftritt im Theatrium, um uns die ersten beiden Ziele Newcastle und Invergordon kulturhistorisch näher zu bringen. Jan wurde dabei von zwei AIDA Guides begleitet, die einige beliebte Exkursionen vorstellten und dabei vom Lektor weitere Details im Ping Pong Modus zugespielt bekamen.

Hr. Holthuis konzentrierte sich im Wesentlichen auf den Tatbestand der Weltkulturhauptstadt von Durham, dessen mächtige Kathedrale Earl Grey bereits Schauplatz von Harry Potter Filmen war. Jan erwähnte außerdem den Engel des Nordens, welcher retrospektiv an die Stadt als Hochbuch von Stahl erinnerte. Das Aulwick Castle beeindruckte die Passagiere ebenso dank der englischen Familiensaga Downtown Abbey und weiterer Episoden über den renommierten Buchhelden von J.K.Rowling.

Der Lektor mäanderte durch die Geschichte Schottlands um Ritter Ivanhoe, den Freiheitskämpfer Wallace, hob die rauen, unwirtlich anmutenden Landstriche hervor und unterstrich die Krönung von Robert I Bruce am 25. März 1306 in Scone. Myriaden von Kelten, Briten und Römern charakterisierten u.a. Schottland.

Im Kontext mit Invergordon faszinierte Jan Holthuis mit der Entstehungsgeschichte von Cawdor castle: Hier sei angeblich ein Esel mit Goldstücken bestückt ziellos losgeschickt; dort, wo dieser sich letztlich niederließ, wurde die Burg erbaut. Ein Dornengestrüpp illustriert für die Besucher heute noch den Ausgangspunkt der Bauphase.

Zahlreiche Konfliktherde prägten die Geschichte von England und Schottland; es gab viele kriegerische Auseinandersetzungen mit blutrünstigen Ausgängen auf beiden Seiten. Mary Stuart entwickelte sich zu einem fest eingravierten Herrschaftsbegriff ihrer Zeit.

Unser Lektor präsentierte in der zweiten Hafen- bzw. Ocean Lounge die beiden nächsten Anlegehäfen, Lerwick und Bergen im Stenogramm Stil: die uns gänzlich unbekannten Shetland Islands waren nur per Tender Boote zu erreichen, für uns eine neue Erfahrung, die wir gerne beanspruchten. Das Fort Charlotte sollte man nicht missen und auf die Sandsteinbauten ringsherum achten. Den Fischfang Reichtum auf der Insel könne man auch nicht verfehlen. Ein Ausflug in die alte Hauptstadt Scalloway sei lohnenswert. Die gleichnamigen Ponys sind die robusteste Pferdeart der Welt, kein Wunder bei diesem Wetter. Auf die kleinen putzigen Puffins, eine Papageienart, wies uns Jan auch hin; insgesamt brüten über 1 Mio. Vögel auf den Shetlands.

In Bergen sollte man den Fischmarkt fest im Blick haben, das Museum besichtigen und sich an den Handelshäusern erfreuen. Die Erforschung eines Handelskontors auf eigene Faust solle man sich nicht entgehen lassen, um eine Zeitreise in die Hanse Ära anzutreten.

Als Nächstes folgte das erste Highlight, die Premiere für die Kunstaktion im Theatrium, wo seit dem Jahr 2007 auf der Diva diese Veranstaltung fester Bestandteil der AIDA Reisen ist: Welche ausgefallenen Werke würden uns dieses Mal erwarten? Aus der reichhaltigen Palette von unterschiedlichsten Kunstformen wie z.B. Acryl oder Stuck gab es wieder eine lukrative Selektion an illustren Bildern.

Erster vorgestellter Kandidat war Peter Bauer, der mit seinen bunten Werken die Menschen zum Schmunzeln bringt. Sein Bild mit dem Schalk im Nacken wurde schnell für 210 € ersteigert. Das detailgetreue Bild der Hamburger Elbphilharmonie gemalt durch ein Bullauge fand ebenfalls zügig seinen Abnehmer. Nun folgte von Maite Brekenfeld ein floraler Eye Catcher, das Blumenfeld. Blind Dates stellen immer was Besonderes auf der Aida dar: für 160 Euro ging ein sehenswertes Bild des international renommierten Künstlers Feliks Büttner dem Dauergast in der Kunstauktion auf Reisen. Büttner zeichnete auch für das Marketing Label des berühmten Kuss Mundes verantwortlich. So gesehen war das Ergattern dieses Bildes ein echtes Schnäppchen, in dem er sich selbst auf die Schippe nahm.

The walking ducks‘ gingen für satte 350 € an einen Bieter. Die Skyline Silhouette in eleganter Ausführung von Robert Nippoldt fand für 410 € einen Abnehmer. Der Pop Art Künstler James Rizzi durfte natürlich nicht fehlen. Rizzi war auf allen Schiffen mit seinen unerreichten 3-D Konstruktionen präsent. Sein sommerlich angehauchtes Exemplar war ein Hingucker, das für 620 € über den Bieter Tresen ging. Das zweite Blind Date war eine Farb-Retouchierung vom bekannten nun schon 90-jährigen Janosch, das mit 180 € erworben wurde. Janosch lebt inzwischen zurückgezogen auf Teneriffa, was dieses Werk außergewöhnlich erschienen ließ.

Eine schwarz-weiß-Darstellung von New York ging in den vierstelligen Bereich. Otto Waalkes stand nun zum Verkauf mit seinem Werk der zwei Schwäne, wobei sein Markenzeichen des Ottifanten einen der beiden Protagonisten darstellte. „Alstervergnügen“ schimpfte sich das Bild des charmanten Künstlers, der seinen Humor stets gut verpackte und nicht Halt machte vor vielen Themen. Knapp 3.000 € war jedoch keinem Bieter das Bild wert. Ein James Bond Potpourri war als Nächstes dran, das mit der Airbrush Methode nachbearbeitet wurde. 4.050 € lautete das stattliche Anfangsgebot, welches fast den Abschluss bildete. Ein drittes Blind Date stand noch an: für lediglich 240 € ging ein Bild von James Rizzi an einen neuen Liebhaber.

Als krönenden Tagesabschluss gönnten wir vier uns eine dreistündige Session im Wellness- und SPA Bereich auf Deck 12. Dank unseres eigenen Außenbereichs konnten wir die geräuscharme Fahrt unseres kleinen Riesen auch von dieser exponierten Warte aus genießen. Bei sternenklarer Nacht hätte dieser Ausblick seinen Charme gehabt, doch Kumuluswolken verhinderten diesen optischen Genuss.

Großbritannien & Norwegen im Duett – Newcastle

Foto: Blick auf die Pier von Newcastle

Unser erster Stopp hieß Newcastle upon Tyne an der nordöstlichen britischen Küste. Dank der Nutzung des Ebbstroms legte die Sol sanft am Pier gegen 6 Uhr früh an. Eine erste bürokratische und eigentlich völlig unnötige Schikane mussten wir dann gleich über uns ergehen lassen, denn die Briten wollten unsere Identität verifizieren; dafür durften wir frühmorgens schon in Reih und Glied stehen, um dann nach einer Nanosekunde Begutachtung unseres Passes samt Bordkarte wieder entlassen zu werden. Wären doch die Brits in der EU geblieben, dann wäre uns dies sicher erspart geblieben.

Diese Stadt wird auch als Tor zum britischen Norden bezeichnet. Sie hat sich über die Jahre von einer Industriemetropole zu einer beliebten Uni- und Studentenstadt gemausert. Viele Museen und Kunstausstellungen prägen das Stadtbild und das bunte Treiben.

Dank des Flusses Tyne strahlte Newcastle ein besonderes Flair aus. Das Beamish Museum lud zu einer Zeitreise ins 19. Jahrhundert ein, mit dem imposanten Durham gab es ein UNESCO Weltkulturerbe zum Bestaunen, die Gärten von Howick Hall und Alnwick Castle erwiesen sich sicherlich aus Eye Catcher und die Küste war bestimmt sehenswert.

Vom Kapitän Moritz Pankau erfuhren wir heute früh noch den Fakt, dass der Lead Sänger der weltberühmten Dire Straits, Mark Knopfler aus Newcastle upon Tyne stammt. Auch die Rock Ikone und Legende Sting wurde in Newcastle geboren. Was die Party Aktivitäten angeht, rangierte diese Stadt sogar noch vor London; zwecks Hochzeiten und Junggesellenabende sei Newcastle ebenfalls überregional bekannt und zieht die Massen an.

Der Hafen befindet sich ca. 12 km von der City entfernt, auch per Zug ideal und schnell erreichbar, wenn nicht grad die britischen Bahnmitarbeiter derzeit im Streik wären. Spezielle Ausflugstickets sind inzwischen nicht mehr nötig, die Bordkarte übernimmt diese Funktion. Newcastle wird auch als Stadt der sieben Brücken tituliert; drei Prachtstücke sind hier hervorzuheben: Die Tyne Bridge, auch grüne Brücke genannt und als Bügel tituliert, die High Level Bridge, die vom berühmten Stephenson erbaut wurde, der auch für sein Faible für Züge bekannt ist und last but not least die bemerkenswerte Millennium Bridge, die sowohl schwenkt als auch kippt. Dieses Schauspiel sollte man sich nicht entgehen lassen.

Foto: Der eindrucksvolle Angle of the North

Bevor wir Newcastle bei ungewöhnlich sonnigen Temperaturen tatsächlich erreichten, stoppten wir bei einer gigantomanischen Skulptur aus Stahl, dem sogenannten Angel of the North, der uns an die gleichnamige Ära von damals erinnern sollte. Mit seiner Höhe von 20 m und einer Flügelspannweite von sage und schreibe 50 m ragte dieses stählerne Kunstwerk bereits von Weitem aus der Landschaft. Der monumentale Engel diente schon als Party Gag, als man ein überdimensionales Jersey des lokalen Fußballhelden Alan Shearer hoch droben aufhing, was für die lokale Presse ein gefundenes Fressen und Marketingerfolg darstellte. Übrigens, der international bekannte Modedesigner Joop erwarb für sich zuhause eine Miniaturversion und steigerte auf diese Weise seine Popularität.

Unsere pfiffige und redselige Reiseführerin, die selbst in Newcastle wohnt und lebt dank der Liebe, wies auf die hervorragende Wasserqualität des Flusses Tyne hin, wo sogar der Lachs Sprung beobachtet werden könne.  Im Spruch „carry the coal to Newcastle“ steckt die Bedeutung der unzähligen Kohlefelder drin. Umgangssprachlich bedeutet dies auch „Eulen nach Athen tragen“. Schiffswerften erzählten von der glorreichen Vergangenheit des Schiffsbaus hin. Unter anderem entstand hier die RMS Carpathia, welche die Überlebenden der Titanic aufsammelte und dadurch weltweite Bekanntheit erlangte. Darüber hinaus wurde auch die RMS Mauretania hier konzipiert, die den Rekord bei der Atlantiküberquerung hielt, den eigentlich die Titanic brechen wollte auf ihrer legendären Fahrt 1912 ins Verhängnis. Ein schlimmer Feuerregen hatte früher fast die komplette Innenstadt von Gateshead zerstört.

Foto: Streetart in Newcastle

Die charmante Reiseleiterin hob das damalige weitflächige Königreich Thumbrian hervor und betonte die städtische Rivalität zwischen Gateshead und Newcastle, ähnlich wie bei Buda und Pest in Ungarn. Der Reichtum von Newcastle ergab sich durch keck erhobene Gebühren für Kohletransporte zwischen diesen beiden Distrikten. Robert Stephenson als Vater der Eisenbahnen war eng verbunden mit Newcastle genauso wie Joseph Swan, der Erfinder der Glühbirne, der sich dieses Patent mit dem Amerikaner Edison letztlich teilte; der Firmenname Ediswan verdeutlicht dies sehr gut.

Die royale Verbindung von Bowes Railway durfte nicht vergessen werden; bei diesem Namen denkt man sofort an die Dame an der Seite von Prinz Charles.  Der Exportschlager Greggs Bakery durfte ebenfalls nicht fehlen in ihrer Auflistung wie die Glasmanufaktur Wales Shippley Art Gallery. Der weltbekannte Stararchitekt Sir Norman Foster hat sich auch in Newcastle verewigt und mit der Sage gateshead Konzerthalle ein Denkmal gesetzt.  Daneben ist grad ein neues Konzertzentrum im Entstehen.

Foto: Tyne Bridge

Zum Kennenlernen und idealen Eintauchen in diese alte Metropole benötigten wir unseren ersten Ausflug per Shuttlebus und Panoramafahrt durch dessen Herz und Altstadt. Dank einiger Stunden Freizeit konnten wir dieses mittelalterliche Juwel auch ein wenig zu Fuß entdecken. Auf dem Weg vom Pier in die City of Newcastle begleitete uns auf Schritt und Tritt der Fluss Tyne, welcher uns unweigerlich mit den drei monumentalen Wahrzeichen der Stadt in Kontakt brachte, nachdem wir den Strom sogar im Tunnel unterquerten. Die Promenade am Quayside mit seinen schmucken Restaurants und Cafés lag uns zu Füßen und die Gateshead Millenium Bridge, die wegen ihres speziellen Neigungswinkels an ein Blinking Eye erinnerte, steuerte uns als erstes zielstrebig an.

Die Tyne Bridge, die auf uns danach blickte, wirkte weitaus dezenter, auch wenn sie heute noch das Gebäude der Stadt bildete. Aller guten Dinge sind drei: in der von Stephenson konstruierten High Level Bridge spiegelte sich die damalige Aufbruchstimmung im Straßen- und Eisenbahnbau wider. Ein absolutes Muss auf unserer Tour war das Castle der City, auch als altes Schloss bezeichnet. Das monströse Bauwerk stammt aus dem 13. Jahrhundert und bildete gemeinsam mit dem alten Hadrian Wall einen wesentlichen Verteidigungsfaktor in den Grenzkriegen mit dem ewigen Rivalen Schottland. Die Überreste der mächtigen Hadrian Mauer begleiteten uns auch der Rückfahrt durch die Vororte auf der schnurgeraden Straße von Fossway. Die Brücke und Festungsanlage Pons Aelius war beeindruckend; übersetzt bedeutete Aelius Elis, übrigens der Familienname von Hadrian.

Während unserer Exkursion fanden zwei spektakuläre Events in Newcastle statt: Der letzte Tag der Hoppings, eine riesengroße Kirmes sowie ein grandioses Pferderennen. Der größte Halbmarathon der Welt macht jeden September hier in Newcastle seine Aufwartung.

Die Oberstadt war gekennzeichnet von den dort üblichen Sandsteinbauten, die normannische Burg ragte imposant heraus. Es gab ursprünglich sechs Stadttore und die Befestigungsmauer wurde nur einmal, im 19. Jahrhundert beschädigt. Der empfohlene Grainger Distrikt mit seinen neoklassizistischen Fassaden und dessen Grey Street wurde auch als schönste Flaniermeile in England bezeichnet. Den Earl of Grey kennt ja eh jeder. Die Markthalle bzw. der Bigg Market war einen Stopp wert. Die kleinste Kathedrale St. Nikolaus konkurrierte mit seinem evangelischen Pendant St. Marys. Die phantastische Story vom rasanten Turbinenboot Turbinia musste unser Tour Guide unbedingt loswerden: dieses Schiff schmuggelte sich unangemeldet zu einem Geschwindigkeitswettbewerb ein und ging selbstredend als klarer Sieger hervor, was nicht verwunderlich erschien.

Der bemerkenswerte Glockenturm mit seinen 12 Seepferdchen war ein absoluter Hingucker, zumal auf diese Weise in genialer architektonischer Weise die Wappen Symbolik manifestiert wurde. Interessanterweise ist Bergen eine der Partnerstädte von Newcastle upon Tyne.

Pikante Randnotiz in kulinarischer Hinsicht: Das lokale Brown Ale musste stets wohl temperiert offeriert werden, was anhand eines blauen Symbols auf seiner Rückseite demonstriert wurde und akribisch eingehalten wurde. Newcastle und Studenten, das war eine perfekte Symbiose: Das höchste Gebäude der Stadt ist derzeit ein Studentenwohnheim in luxuriöser Ausstattung.

Forschung und IT standen in dieser pulsierenden Metropole hoch im Kurs: Die company Life NHS mit dem Buchstaben „f“ als Chromoson stand stellvertretend für diese Zukunftsaktivitäten. Das Discovery Museum bot ein Paradebeispiel für nachhaltige Hands on Methodik: es war viel zum Anfassen und selbst ausprobieren, ein Spaß für Groß und Klein.

Dank der strategisch idealen Lage des lokalen Fußballstadions des Clubs Newcastle City mitten im Herzen der Stadt war stets für lautstarke Stimmung gesorgt. Ihr Tempel, der St. James‘ Park, wird auch als die dritte Kathedrale bezeichnet. Das heimische Trikot der Protagonisten war nach dem Federkleid der Elster (magpie) benannt. Nichtsdestotrotz war man nicht so gut auf die zahlreich vertretenden Kitti wakes Vögel zu sprechen, die einen ohrenbetäubenden Lärm verursachten. Schließlich machte uns die Reiseleiterin auf den charmanten Geordie Dialekt aufmerksam, der die Identität der Arbeiterklasse ausdrückt: statt ‚I go into town‘ heißt es hier ‚I gan in toon‘.

Nachdem die Gangway vorschriftsmäßig abgeschlagen wurde – Originalton unseres Kapitäns, nahm die Sol wieder Fahrt auf gen Schottlands Küste, an der wir um Punkt 9 Uhr morgens eintrafen. Auf den letzten Seemeilen dorthin durchquerten wir etliche Bohrtürme, die sich wie Zahnstocher Skelette in die offene See schraubten. Rundherum erspähten wir schon saftige grüne Landschaftserhebungen und erste schottische Dörfer, welche ziemlich verschlafen wirkten aus der Ferne der Reling.

Foto: Unterwegs in Newcastle

Das war Teil I des Reiseberichtes von Hermann Graßl. Mit Teil II – Großbritanien & Norwegen im Duett – geht es weiter am Mittwoch, 20.07.22, dann gibt es u.a. interessante Eindrücke aus Schottland.

Alle Fotos wurden mir von Hermann für diesen Blogbeitrag zur Verfügung gestellt.

Neugierig geworden auf AIDAcruises. Zur Webseite geht es hier.

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