Ausflug Osterinseln

Blogparade: Fremdschämen im Urlaub – Die TOP 5 der Weltreise!

Im Netz bin ich kürzlich auf die interessante Blogparade Fremdschämen im Urlaub der Bloggerin „die bunte Christine“ gestoßen https://die-bunte-christine.de/aufruf-zur-blogparade-fremdschaemen-im-urlaub.

Sofort kamen mir wieder zahlreiche Erinnerungen an meine Weltreise mit der Costa Deliziosa in den Kopf und wie oft ich mich wirklich fremdgeschämt habe und das nicht nur über meine Landsleute, sondern quer durch alle Nationen, die mit uns reisten. Natürlich sind 115 Tage mit rund 2.800 Passagieren, verteilt über 16 Decks kein Pappenstil, doch lest selbst, ich habe für Euch die TOP 5 Fremdgeschämt-Highlights aufgelistet:

TOP 1 Fremdschämen im Urlaub bei der Tenderticketvergabe

Viele Ziele – besonders die exotischen – waren oftmals nur mit dem Tenderboot erreichbar. Die Vergabe der Tickets erfolgte immer morgens ab 8 Uhr im Theater der Costa Deliziosa. Vor jedem Hafen standen schon weit vor der Startzeit Menschen in einer langen Schlange weit vor der im Programm ausgeschriebenen Zeit an. Auf Bora Bora erreichte dieser Wahnsinn – quer über alle Nationen verteilt – dann seinen Höhepunkt. Bereits ab 5 Uhr (!) morgens standen die Mitreisenden an und zwar vom Eingang des Theaters quer durch die Bar, das Casino, dem Atrium bis zum Restaurant. Die Schlange war also gut 250 Meter lang! Einige Passagiere hatten sich Stühle besorgt, andere ließen sich von den Kellnern Getränke servieren! Wir waren inzwischen alle zwei Monate lang mit dem Schiff auf Weltreise. Leider hatten unsere Mitreisenden nicht gelernt, dass die Tenderticketvergabe zwei Stunden dauerte, danach konnte man individuell und ohne Ticket jederzeit das Schiff verlassen und übrigens in einem fast leeren Boot die Überfahrt genießen.

TOP 2 Fremdschämen im Urlaub beim Mittagessen

Das Mittagessen wurde 115 Tage lang wahlweise entweder im Haupt- oder Buffetrestaurant von 12 bis 14 Uhr angeboten. Im Hauptrestaurant wurde der Gast am Tisch bedient und konnte aus einer großen Menükarte aus verschiedenen Vor-, Haupt- und Nachspeise wählen. Danach schloss das Hauptrestaurant wieder, damit die Tische für den Abend vorbereitet werden konnten, denn die erste Sitzung begann dort bereits um 18 Uhr. Eine ältere Lady, nennen wir sie Sophia, hatte ihren ganz eigenen Mittagessen-Stil entwickelt, für den ich mich gegenüber der hart arbeitenden Crew, wirklich schämte. Sie erschien grundsätzlich nicht vor 13 Uhr 50. Das war die Zeit, wo die meisten Gäste das Restaurant schon verließen. Sie ließ sich dann die Speisekarte reichen und kreuzte mit einem Kugelschreiber ihre Wünsche an. Unter drei Gängen blieb sie nie. Die arme Crew im Restaurant und Küche musste also immer Überstunden machen, die von ihrer ohnehin schon knappen Zeit am Nachmittag abgingen. Peinlich!

TOP 3 Fremdschämen im Urlaub im Umgang mit der Crew

Die Costa Deliziosa hat eine Crewstärke von 1.100 Mann. Viele Crewmitglieder, die in den öffentlichen Bereichen arbeiteten haben wir auf dieser Reise gut kennengelernt und mit einigen von ihnen bin ich bis heute auf Facebook verbunden. Die meisten von ihnen fuhren die ganzen 115 Tage mit. Für uns waren diese Menschen in den vier Monaten fast zu Familienmitgliedern geworden. Leider handhabten jedoch nicht alle Passagieren einen freundlichen und respektvollen Umgang mit der Crew. Es gab Beschimpfungen und körperliche Attacken, wenn Gäste die Wartezeit auf ihren nächsten Drink als zu lang empfanden. Allabendlich wurde der Tischkellner herum gescheucht wie ein Wiesel, aber seinen freundlichen Gruß erwiderten einige Passagiere nicht einmal, wenn sie ihn beim Landgang trafen. Gut, er trug dann Jeans und ein T-Shirt, aber nach so vielen gemeinsamen Wochen sollte man ihn auch in Privatsachen erkennen, oder? Bedauernswert und echt peinlich fand ich auch, wie manche Mitreisende in ihren Kabinen hausten. Gelegentlich kam man ja nicht darum herum, in diese zu schauen, wenn die Tür zum Flur gerade auf war. Am schlimmsten war es am Tag des Abstiegs, viele Passagiere hinterließen wahre Müllhalden in den Kabinen zurück. Kosmetikartikel, Klamotten, Souvenirs, die dann doch nicht mehr in den Koffer passten. Das war Schwerstarbeit für die Kabinencrew!

TOP 4 Fremdschämen im Urlaub beim Landgang

68 Häfen boten natürlich auch wieder jede Menge Möglichkeiten, sich für das Verhalten meiner Mitreisenden zu schämen. Generell organisiere ich meine Landgänge lieber individuell, aber bei der Weltreise waren 15 Landausflüge inkludiert im Reisepreis. Hinzu kamen gefährliche Destinationen wir z.B. Brasilien, wo ich lieber mit einer Gruppe an Land ging oder wenn Reiseziele, wie das Zulu-Dorf in Südafrika, doch mit über zwei Stunden Fahrzeit weiter entfernt lagen. Der Kampf um die besten Plätze im Ausflugsbus war natürlich an der Tagesordnung. Oft begegnete man an den Haltepunkten unterwegs Einheimischen. In Montevideo beispielsweise einem netten Paar, welches Tango tanzte. Die Weltreisenden stürzten sich mit ihren Kameras auf dieses Motiv, aber die kleine Schale, mit der sie Trinkgeld sammelten, wurde ignoriert. Natürlich nicht von mir und so kam ich in den Genuss zu einem persönlichen Tangotanz, während die ganze Busladung auf mich warten mußte. Herrlich! Die Reiseleitung warnte vor Kriminalität in Brasilien. Es gab trotzdem Passagiere, die mit Schmuck behangen und Rucksäcken in der Stadt in Seitenstraßen herumstolzierten und sich dann später beschwerten, dass Straßenkinder versuchten sie zu berauben. Dann gab es auch in der Südsee, als wir im Hafen von Tonga anlegten, Irritationen. Ein älterer Mitreisender verstand das freundliche Winken eines jungen Mädchens in Tracht am Kai miss und stürmte von Bord.

TOP 5 Fremdschämen im Urlaub mit den Sonnenliegen

Die typischen Liegenreservierer kennt natürlich jeder, der schon mal auf Kreuzfahrt war. Auch dieses Phänomen war natürlich bei der Weltreise zu beobachten: Eine Liege in der Sonne, eine Liegen im Schatten usw.! Bei einer Reisezeit von vier Monaten müssen viele Gäste dann wirklich das Gefühl gehabt haben, dass sie ihre Liege mit dem Reisepreis bezahlt hätten. Liegen wurde mit auf die Kabine genommen oder auch einfach mitten in der Bar aufgestellt, weil dort gerade so schön die Sonne schien. Das absolute Liegenhighlight lieferte jedoch der „Liegenkipper“. Irgendwann nach der Südsee hatte eine Frau sich erlaubt sich auf „seine“ Liege zu legen. Als er kam, wollte sie natürlich nicht aufstehen, also kippte er sie kurzer Hand von der Liege! Die Frau holte sich allerdings Hilfe an der Rezeption und der Mann bekam eindeutige Zurechtweisungen. Dabei herrschte keine Liegenknappheit an Bord.Im Gegenteil, je höher man die Decks empor stieg, desto mehr freie Liegen fand man vor.

Vielleicht auch interessant? In meinem Roman, der an Bord der Weltreise spielt findet, man noch so die einen oder anderen Momente zum Thema Fremdschämen auf Weltreise: 

Bucherscheinung: „115 Tage an Tisch 10 – Wellengeflüster auf Weltreise“

Trailer zu meiner Multivisionshow

Comments:

  1. Christine says:

    Hallo Brina,

    vielen Dank für den tollen Beitrag zu meiner Blogparade. Bei manchen Verhaltensweisen fällt einem ja echt nichts mehr zu ein. Unfassbar.
    Zu Punkt 3 muss ich sagen, dass mir das auch immer wieder unangenehm auffällt. Der Lago Maggiore ist ja mittlerweile fast mein zweites Zuhause. Insbesondere in Stresa habe ich mit vielen Leuten aus dem Ort Kontakt, die in den Hotels arbeiten. Sie erzählen häufig, dass einige Gäste der Meinung sind, dass die Angestellten ihre Sklaven seien und sie so auch behandeln. Das finde ich extrem traurig.

    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag,
    Christine

    • Brina Stein says:

      Hallo Christine, sehr gern. Ich stimme Dir zu TOP 3 ist wirklich nachdenkenswert, so auch an Land. Viele Grüße, Brina

  2. Ole says:

    …eben aus diesen Gründen und auch aus beruflichen Gründen fahr oder bin ich lieber auf Frachtschiffen um die Welt gefahren. Aber sehr gute Eindrücke vom Fremdschämen gesammelt! Meine Eindrücke habe ich auch unter http://www.seefahrt24.de veröffentlicht.

    • Brina Stein says:

      Hallo Ole, vielen Dank für Dein Feedback. Ich schaue gleich mal auf Deiner Seite vorbei, viele Grüße Brina

  3. Mike Pfeffer says:

    Servus Brina. Also wir sind ja auch schon ganz schön auf der Welt herumgekommen und deine Punkt würde ich sofort unterschreiben. Liebe Grüße deine Tiroler.

    • Brina Stein says:

      Hallo Mike, ich hoffe, Ihr trefft nie live den Liegenkipper, herzliche Grüße nach Tirol, Brina