Mein letztes Mal mit „Deilmann“ – Kreuzfahrt ins Baltikum Teil II

Ich war und bin ein großer Fan des Kreuzfahrtschiffes „MS Deutschland“, als es noch unter der Flagge der Reederei Deilmann fuhr. Drei wunderschöne Fahrten habe ich mit dem Klassiker erleben dürfen. Damit diese Traumschiff-Zeit nicht in Vergessenheit gerät, habe ich beschlossen, mein letztes Mal mit „Deilmann“ in meinen Blog aufzunehmen, um diese Zeit zu ehren und nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Heute gibt es Teil II meiner Reise ins Baltikum!

Pooldeck Deutschland

Mein letztes Mal mit „Deilmann“ – Die Schlucht von Tallinn

Wieder schien die Sonne vom Himmel, als ich morgens aus unserem Kabinenfenster blickte. Ich bemerkte, dass die lange steinerne Pier von Tallinn vor uns lag. Früher war hier nur eine gewesen. Wie ich später vom Kapitän erfuhr, war diese Zweite, an der wir lagen, gerade erst in diesem Monat fertig geworden. Aufgrund des tollen Wetters frühstückten wir draußen auf der „Lido-Terrasse“ mit Blick auf die „Brilliance oft the seas“, die um ein vielfaches größer war, als unser Schiff. Wir spiegelten uns sehr faszinierend in ihrem Atrium. Mit uns hatten an der Nachbarpier noch die „Norwegian Star“ und die „Ryandam“ festgemacht. Ich fühlte mich ein wenig wie in meinem Seegang „Immer wieder dienstags“. Wieder stand ein kostenloser Shuttle ins Zentrum bereit. Wir stellten sofort fest, wie sehr Tallinn sich seit unserem letzten Besuch im Jahre 2009 verändert hatte. In den Hauptstraßen waren fast nur noch Designergeschäfte! Die interessanten, individuellen kleinen Läden waren in die Seitenstraßen ausgewichen. Die Preise in unserem Lieblingslokal „Olde Hansa“ hatten sich verdoppelt! Das trübte zunächst die Laune erheblich. Dafür waren inzwischen viele alte Gänge ausgebaut und dort fanden wir auch einzigartiges Kunsthandwerk und wunderschöne Galerien wieder. Zurück an Bord gab es den Vielfahrertreff mit Schampus und Häppchen im Kaisersaal, den Kapitän Greulich liebevoll das „Treffen der Meerfreunde“ nannte. Jede Dame erhielt eine rote Rose, ich bekam sie lächelnd von Ingo überreicht, eine schöne Geste. Bei diesem Treffen wurden dann auch silberne Nadeln (75 Tage an Bord) und sogar die Goldene (150 Tage an Bord) verliehen. Da waren wir mit unseren 28 Tagen noch weit entfernt. Nach dem Abendessen stand die Sonne noch sehr hoch am Himmel, so dass man gut draußen sitzen konnte. Jedoch zog es uns bald auf die Kabine und wir schauten noch eine Folge „Kreuzfahrt ins Glück“, die beinahe – neben weiteren Traumschiff-Folgen – rund um die Uhr im Bord-TV lief.

Mein letztes Mal mit „Deilmann“ – Putins heißes Petersburg

Am siebten Tag legten wir morgens gegen 10 Uhr 30 mitten in der Stadt von St. Petersburg an. Die „Deutschland“ war klein genug für diesen Anleger. Mit den größeren Schiffen, mit denen wir bisher das Baltikum besucht hatten, lagen wir immer weit draußen. Da wir in St. Petersburg schon alle Ausflüge mitgemacht hatten, freuten wir uns auf drei entspannte Schiffstage. Ich schrieb ein wenig, als mir die Idee kam, doch nun, wo kaum Passagiere an Bord waren, das Schiff zu fotografieren. Es wurde ein schweißtreibender Rundgang, denn wir hatten 31 Grad im Schatten. Da es ohnehin heiß war, gingen wir in die Sauna. Den Wellnessbereich erreichte man über die „berühmte Treppe“ am Heck auf Deck 7. Eine kleine Sauna mit Blick auf das Meer, ein kleines Dampfbad und ein sehr hübsch gestylter Vorraum, der an 1001 Nacht erinnerte. Er war ganz in Blau gehalten und mit zahlreichen Mosaiken verziert. Auf dem Außendeck davor standen gemütliche Liegen für die Ruhephase danach zur Verfügung. Die Witterung ermöglichte ein Abendessen an Deck auf der „Lido-Terrasse“. Herrlich. Später trat im „Kaisersaal“ noch das berühmte „Petersburger Kinderballett“ auf, aber wir riskierten nur einen kurzen Blick. So endete ein erster ruhiger und sehr entspannter Tag in St. Petersburg.

Während wir bei schönstem Sommerwetter am nächsten Tag an Deck frühstückten, erfuhren wir, dass Putin heute in der Stadt war. Zahlreiche Straßen waren gesperrt und Ausflüge mussten zum Teil entfallen. Um 10 Uhr 20 beobachteten wir von einem gemütlichen Schattenplatz wieder die große beeindruckende Jacht, die auch schon gestern neben uns gelegen hatte. Ob sie Putin gehörte? Das Rätsel wurde leider nie gelöst. Dann machte die Crew eine Sicherheitsübung. Ich schrieb wieder ein wenig. Zu Mittag gab es frisch an der Wokstation zubereitet Farfalle mit Scampi, zum Nachtisch ein Apfelstrudeleis. Die Eissorten wechselten übrigens fast jeden Tag. Da mein iPhone den Geist aufgegeben hatte, kaufte ich mir an der Rezeption einen Internetzugang für eine Stunde. 20 EUR fand ich schon sehr teuer. Dafür lief es zum Glück einigermaßen schnell. Am Nachmittag gönnten wir uns eine Schulter-Nackenmassage für 45 EUR, 30 Minuten. Die Masseurin war seit einem Jahr an Bord und rund um die Welt gefahren. Ihre Berichte faszinierten mich, da verging die Zeit viel zu schnell vorbei. Danach schwamm ich noch einige Runden im Innenpool und entspannte dann auf einer beheizten Steinliege. Genuss pur. Nach dem Abendessen spielte die Jazzband bei „Lili“, die Jungs waren einfach wieder nur klasse! So ging ein zweiter entspannter Tag viel zu schnell zu Ende.

Wir schliefen mal wieder aus am nächsten Tag und nahmen das obligatorische „Würstchenfrühstück“ im „Alten Fritz“ zu uns. So langsam waren wir total entschleunigt. Nach dem Mittagessen zog ein sehr heftiges Gewitter auf, aber wir saßen gemeinsam mit Andrea, Sascha und Ingo bei einem gemütlichen Plausch, so störte uns das wenig. Danach lasen wir ein wenig. Das war für mich absoluter Luxus, seitdem ich selbst schrieb. Pünktlich zum Sail away -gegen 18 Uhr – kam die Sonne wieder hervor und zur Feier des Tages spendierte die Reederei ein Glas Sekt zum Auslaufen. Das Schiff fuhr bis an die erste Brücke und drehte dann in dem kleinen Hafenbecken. Uns bot es nochmals einen 360-Grad-Blick auf St. Petersburg. Traumhaft schön. Beim Abendessen gab es dann eine große Überraschung, als der nette Koch Erwin von den Philippinen mir einen Teller Spaghetti mit Bolognese servierte. Der stand gar nicht auf der Karte! Ich hatte mittags Dirk angedeutet, dass ich bei all den Köstlichkeiten mal wieder Lust auf was ganz Einfaches hätte, eben Spaghetti mit Bolo. Dirk, der sich mit Erwin angefreundet hatte, hatte das ausgeheckt. Eben mal wieder typisch Traumschiff, es blieb kein Wunsch offen. Überhaupt aß Dirk seit Tagen nur was Erwin empfahl und gleich was es war, es schmeckte fantastisch! Nach dem Essen bummelten wir noch ein wenig durch die Shops, doch wirklich Neues gab es nicht zu entdecken. Ich war froh, dass wir wieder aus See waren!

Mein letztes Mal mit „Deilmann“ – Helsinki mit Küchenparty

Wieder hatten wir unseren Liegeplatz mitten in der Stadt. Die Sonne schien, aber es war sehr windig geworden. Wir lagen unterhalb der hübschen Uspenski Kathedrale und in die Stadt ging man zu Fuß nur wenige Meter. Leider war die schöne Markthalle wegen Umbauarbeiten am Hafen geschlossen. Unser Ziel war das Hardrock Cafe, welches wir nach kurzem suchen fanden. Die Ausfahrt später um 15 Uhr war wunderschön. Nachdem wir den Hafen verlassen hatten, sahen wir überall kleine Inseln, die sich Schären nannten. Abends saßen wir wieder mit Andrea und Sascha zusammen und besuchten auch gemeinsam den Auftritt des Crew-Shantychors im „Kaisersaal“. Das war immer ein toller Programmpunkt. Auch die Philippinos hatten wieder ihren Auftritt und Einer sang so perfekt, er hätte jede Castingshow an Land gewonnen. Danach ging es zur legendären Küchenparty. Zwischen den Kochtöpfen standen Lichtorgeln und Partymusik pur dröhnte uns schon vom Eingang entgegen. Es gab jedem Menge Live&Show-Cooking und Häppchen ohne Ende. Man konnte gar nicht alles probieren. Was mich an der Küchenparty (wir kannten diese ja schon) wiederum begeisterte, waren die Menschen, speziell die Köche. Sie freuten sich total über den Besuch der Gäste in „ihrer“ Küche, denn dies war oft die einzige Gelegenheit, dass sie mal die Passagiere sahen. Wir schafften noch einen kleinen Absacker bei „Lili“ und gingen dann müde ins Bett. Das Traumschiff rollte derweil mit heftigen Wellenbewegungen über die Ostsee.

Mein letztes Mal mit „Deilmann“ – Schietwetter in Stockholm

Die eigentlich schöne Stadt Stockholm empfing uns am Morgen mit regnerischem Wetter. Wir beschlossen nach dem Frühstück dennoch einen kurzen Spaziergang an Land zu machen. Unser Liegeplatz war recht dicht an der Stadt. Aber nach kurzer Zeit kehrten wir zurück an Bord, es war einfach zu kalt, zu windig und zu ungemütlich. Mittags war das „Lido“ hoffnungslos überfüllt und der Lärmpegel der Gäste hätte jeder Kantine alle Ehre gemacht. Aufgrund des Wetters kam es dann auch dazu, dass wir nachmittags mal einen Grog tranken. Wir entspannten einfach. Am frühen Abend besuchten wir den Abschiedscocktail des Kapitäns im „Kaisersaal“. Der Bekleidungsvorschlag für diesen Abend war mit Gala angesetzt. Wieder gab es Champagner und einige leckere Häppchen wurden gereicht. Kapitän Greulich wünschte ganz wie im Fernsehen eine „gute Heimkehr“. Ich empfand das als wunderschön. Außerdem wurde die Seekarte der Reise verlost, die ich leider mal wieder nicht gewann. Das Gala Dinner war dann mit Sushi als Vorspeise gefolgt vom Rinderfilet Wellington und Crepes Suzette auch wirklich ein Traum. Natürlich fehlte auch die legendäre Eisparade nicht. Bei „Lili“ probierten wir auf Empfehlung eines Gastes mal ein neue Variante vom Gin, Monkey Bombay sehr lecker.

Mein letztes Mal mit „Deilmann“ – Das Kamingespräch am Seetag

Der Blick morgens aus dem Kabinenfenster ließ einen weiteren trüben Tag befürchten, doch pünktlich zum Jazzfrühshoppen um 11 Uhr auf dem Pool-Deck kam die Sonne raus! Die Jungs von „Sidney´s Jazz Compagnie“ gaben wieder alles, es wurde sogar getanzt. Die Küche hatte sich auch wieder übertroffen und lockte mit bayrischen Speisen. Ein ganzes Spanferkel, Weißwurst, Brezeln, diverse Salate. Einfach herrlich und dazu ein Freibier. Na gut, es gab Gäste, die schafften 5, aber um diese Uhrzeit war Bier nicht unbedingt mein bevorzugtes Getränk. Der letzte Tag an Bord ging dann rasant schnell vorbei. Erwin überraschte uns mit dem besten und schärfsten Curry aus der Mannschaftsküche zum Mittagessen. Nachmittags stand die Brückenführung auf dem Programm. In einer kleinen Gruppe erklärte der 2. Offizier uns die gesamte Technik. Ein weiterer Höhepunkt unserer Reise. Danach wurde gepackt und am Abend sich noch von all den netten Mitreisenden verabschiedet. Ich war echt traurig. Ein Highlight bot noch das „Kamingespräch“ mit dem Geschäftsführer Herrn Nolde, der in Helsinki an Bord gekommen war. Eine Stunde lang sprach er mit Kapitän Greulich über den Kurs, den die „Deutschland“ künftig nehmen würde. Bei dem geplanten Werftaufenthalt im November wird der Schornstein wieder in weiß angestrichen. Ebenso wird es umfangreiche Veränderungen im Restaurantkonzept geben. Eine Tischzeit soll eingeführt werden und die Gäste können frei wählen zwischen Bedienung am Platz mit festem Tisch und ohne festen Tisch. Das Lido-Buffet soll zum Glück bleiben, aber abends geteilt auch Platz für ein neues Themenrestaurant geben.

Mein letztes Mal mit „Deilmann“ – Ankunft in Travemünde

An diesem Morgen freute ich mich verständlicherweise gar nicht meinen Heimathafen zu sehen. Wir genossen noch ein leckeres letztes Frühstück im „Lido“ und warteten danach auf unseren Aufruf. Um kurz nach 9 Uhr kam das vom Concierge bestellte Taxi und als ich die Kabinentür schloss, realisierte ich, dass gerade eine traumhafte Kreuzfahrt hinter uns lag. Aber nach der Kreuzfahrt ist auch vor der nächsten Kreuzfahrt!

Mein Fazit: Damals beim Abstieg wußte ich zum Glück noch nicht, dass es unsere letzte Reise mit Deilmann auf dem Traumschiff gewesen war. Der Insolvenzantrag der Reederei wurde im Oktober 2014 gestellt. So bekam auch das am ersten Tag überreichte Winke-Tuch im Titelbild (was ich heute noch habe), eine ganz neue Bedeutung. Das ist nun über vier Jahre her. Seitdem habe ich viele neue Kreuzfahrtschiffe kennengelernt, doch eine echte Liebe vergißt man nie so ganz 🙂 . 

Information:

Viele schöne Bilder von der MS Deutschland wie sie noch unter „Deilmann“ fuhr, gibt es bei meinem Kooperationspartner Oceanliner-Pictures.

 Vielleicht auch interessant? Teil I:

Mein letztes Mal mit „Deilmann“ – Kreuzfahrt ins Baltikum Teil I

 

2 thoughts on “Mein letztes Mal mit „Deilmann“ – Kreuzfahrt ins Baltikum Teil II

  1. Michael PFEFFER says:

    Hallo Brina. Wieder ein ganz toller Blog von dir. Leider haben wir es nie geschafft mit der MS Deutschland zu reisen. Aber auch Rotina schwärmt heute noch davon. Liebe Grüße aus den Bergen. Mike & Hildegard

    • Brina Stein says:

      Liebe Hildegard, lieber Mike, danke für das tolle Feedback. Ja, es waren tolle Zeiten, an die ich gern erinnere. Liebe Grüße aus dem Taunus nach Österreich. Brina

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