Weiße Nächte

Weiße Nächte mit der MS Hamburg – Ostseekreuzfahrt Teil II

Mit der MS Hamburg von Plantours Kreuzfahrten unternahm Oliver Asmussen von oceanliner pictures vom 07.06.-18.06.2018 eine Ostseekreuzfahrt und erlebte Weiße Nächte.

Im zweiten Teil seines Reiseberichtes verbringt er heute mit Euch in seinem Gastbeitrag eine Nacht in St. Petersburg, erlebt die lettische Stadt Riga, besucht Klaipeda und Karlskrona in Schweden. In den Sommermonaten bieten die Weißen Nächte im Norden ein besonderes Kreuzfahrt-Highlight.

Weiße Nächte – komplette Abschottung von St. Petersburg

12. Juni 2018, Tag 6: Die letzte Nacht war kurz. Mehr als zwei Stunden Schlaf waren nicht drin. Zu faszinierend waren die Farb- und Lichtspiele, die von der Natur an den Himmel und auf das Wasser „gezaubert“ wurden. Die MS Hamburg passiert etwa zwei Stunden vor der Ankunft in St. Petersburg das Sturmflutsperrwerk vor der Ostseeinsel Kotlinsowie Kronstadt, einen Stadtbezirk von St. Petersburg, der auf der Insel liegt. Kotlin ist durch den „Petersburger Damm“ beidseitig mit dem Festland verbunden. Der Petersburger Damm ist ein Hochwasserschutzdamm, der quer durch die Newabucht gebaut wurde. Baubeginn für das gigantische Projekt war im Jahr 1978. In den 1990er Jahren gab es einen Baustopp aus Umweltschutzgründen. Im Jahr 2006 erfolgte schließlich der Weiterbau, welcher 2011 abgeschlossen wurde. In Kronstadt befindet sich ein Marinestützpunkt, dem offiziell keine große Bedeutung mehr zugesprochen wird. Nach der Durchfahrt des Sperrwerks gilt ein striktes Tempolimit von 5 Knoten. Die Stadt St. Petersburg kann vom Sturmflutsperrwerk, nach deren Schließung, zur Seeseite hin komplett abgeschottet werden.

Weiße Nächte

Unübersehbar  ragt eine spitze Nadel aus der ansonsten eher unscheinbaren St. Petersburger Skyline in den Himmel. Dabei handelt es sich um das erst vor wenigen Tagen fertiggestellte 462m hohe Lakhta Center.  Erst Anfang Juni sind die beiden Baukräne zurückgebaut worden. Das Lakhta Center ist das höchste Gebäude in Europa und beherbergt nicht nur die Gazprom-Zentrale sondern auch einige Freizeiteinrichtungen. Die Einfahrt nach St. Petersburg erfolgt über einen langen, schmalen Kanal, der die Newabucht mit dem Fluss Newa verbindet. Eine direkte Einfahrt in die Newa ist aufgrund einer Brückenkonstruktion an der Mündung nicht möglich. Die MS Hamburg passiert einige triste Wohngebäude, sowie Schiffswerften. Zu den bedeutendsten gehört das „Baltische Werk“, in dem die größten Atom- und dieselelektrischen Eisbrecher der Welt entstehen. Darunter die 173m lange und 34m breite „Arktika“. Direkt gegenüber befindet sich das Gelände der Admiralitätswerft, in der mehr als 300 konventionell betriebene U-Boote, Tanker, Kriegsschiffe und der erste Atomeisbrecher der Welt gebaut wurden. Wahrlich beeindruckend, was hier so produziert wird.

Liegeplatz direkt in der City

Die MS Hamburg macht aufgrund ihrer geringen Größe an einer Pier direkt am Kriegsmuseum an der Newa, unweit des St. Petersburger Stadtzentrums fest. Der Ausblick vom Sonnendeck auf die vielen Kirchtürme und die schönen Häuserfassaden entlang des Ufers prägt sich bei mir direkt ein. Kurz nach der Ankunft bricht die Sonne durch die Wolkendecke. Hinter der MS Hamburg liegt der Eisbrecher Krasin, der aufgrund deines Alters zwar nicht mehr in Betrieb ist, aber besichtigt werden kann. Das plane ich für morgen ein. Für die Einreise in St. Petersburg wird entweder ein Visum benötigt oder aber man nimmt an geführten Ausflügen in der Gruppe teil. Wer keinen Ausflug gebucht oder kein Visum beantragt hat, kann in St. Petersburg das Schiff nicht verlassen. Ich habe mir zuvor das kostenpflichtige Visum (90,- EUR) besorgt und werde St. Petersburg auf eigene Faust erkunden.

Weiße Nächte

 

Nachdem ich recht zügig die Pass- und Sicherheitskontrollen passiert habe, begebe ich mich entlang des Flussufers in Richtung Eremitage. Am frühen Morgen hält sich die Besucheranzahl sehr in Grenzen, der perfekte Zeitpunkt also für einen Besuch in einem der bedeutendsten Kunstmuseen der Welt. Zum Gebäudekomplex, der zusammenfassend als Eremitage bezeichnet wird, gehört auch der Winterpalast. Die Eremitage wiederum ist Bestandteil der zum UNESCO-Weltkulturerbeerklärten Innenstadt von St. Petersburg. In den mehr als 350 Sälen der Eremitage sind knapp 65.000 Exponate ausgestellt, darunter Werke von Paul Gauguin, Leonardo da Vinci, Pablo Picasso, Rembrandt, Rubens und Matisse. Beeindruckend sind nicht nur die Gemälde, sondern auch der Barocke Eingangsbereich der Eremitage. Kunstfans halten sich nicht selten einen halben oder ganzen Tag in der Eremitage auf. Ich verschaffe mir heute einen groben Eindruck und begebe mich wenig später in Richtung Isaakskathedrale. Der Weg zwischen den beiden Prachtbauten ist nicht lang, von schönen Gebäuden geprägt und kann problemlos zu Fuß zurückgelegt werden.

Die Isaakskathedrale

Die goldene Kuppel der Kathedrale ist bereits von Bord der MS Hamburg aus zu sehen und dominiert das Stadtbild ebenso wie  die Zwiebeltürme der Blutskirche. Die Türme der Blutskirche sind aufgrund anhaltender Restaurierungsarbeiten derzeit verhüllt. Schade. Ursprünglich sollten die Renovierungsarbeiten zu Beginn der Fußball WM abgeschlossen sein. Umso beeindruckender ist der Besuch der Isaakskathedrale. Es ist sowohl eine Besichtigung der Innenbereiche, als auch ein Aufstieg auf die Kuppel möglich. Die Isaakskathedraleist mit einer Länge von 111m, einer Breite von 97m und einer Höhe von 101,5m die größte in St. Petersburg und einer der größten sakralen Kuppelbauten der Welt! Schon im Jahr 1717 stand an selbiger Stelle eine Holzkathedrale, die 1735 durch ein Feuer zerstört wurde. Der heutige Steinbau begann im Jahr 1818 und wurde 1858 vollendet. Die Kuppel kann auf einer Aussichtsterrasse komplett umrundet werden. Der freie 360°-Blick über die Dächer von St. Petersburg ist phantastisch, da keine weiteren Gebäude in der Nähe den Ausblick versperren.

Nach dem Besuch der Isaakskathedrale entschließe ich mich zu einer Fahrt mit dem Hop On, Hop Off Bus, der direkt vor der Kathedrale eine Haltestelle hat. Mit dem offenen Bus lässt sich die Stadt hervorragend erkunden. Bei Sonnenschein macht es doppelt Spaß. Nach der ausgedehnten Stadtrundfahrt, die an sich schon voller beeindruckender Momente steckte, steht am Abend ein Besuch von Schloss Peterhof auf der To-do-Liste.

Schloss Peterhof – Anfahrt mit Adrenalinkick

Für die Fahrt zum 30 Kilometer entfernten Schloss Peterhof nutze ich eines der berühmten Tragflügelboote, des Typs Meteor. Die Boote fahren direkt in der Innenstadt von St. Petersburg ab. Seit den 1960er Jahren sind diese „Flugsaurier“ auf verschiedenen Flüssen, überwiegend in Russland unterwegs. Es gibt mehrere Möglichkeiten, von der Innenstadt in St. Petersburg zum Schloss Peterhof zu kommen – per Fähre, mit dem Zug, mit dem Taxi, dem Bus oder eigenen Auto. Für Technikfreaks und Liebhaber alter, unzerstörbarer Sowjet-Technik gibt es nur eine Wahl – die Fähre. Von diesen betagten Tragflügelbooten sind noch jede Menge auf der Newa im Liniendienst, obwohl sie seit dem Jahr 2007 nicht mehr gebaut werden. Einige Modelle machen einen klapprigen Eindruck, doch das Fahrerlebnis ist in jedem Fall einzigartig. Die russische Technik ist ohnehin nahezu unzerstörbar. Sowohl am Heck als auch seitlich kann man während der Fahrt seinen Oberkörper aus dem Boot halten, was bei einem Tempo von 65 km/h für einen ordentlichen Adrenalinkick sorgt. Den bekommt man allerdings auch schon nach dem Verlassen des Innenstadtbereiches, wenn die beiden, jeweils über 3000PS starken 12-Zylinder Diesel voll beschleunigen. Schalldämpfer? Fehlanzeige! Das ist Fahrspaß pur, der leider nach 20 Minuten schon wieder vorbei ist.

Weiße Nächte

Nach so viel Fahrspaß und Tempo folgt ein gemütlicher Spaziergang durch den unteren Schlossparkvon Schloss Peterhof. Den weltbekannten Blick vom Samson-Brunnenauf das Schloss kann ich mir nicht entgehen lassen. In den Abendstunden ist das Licht hier besonders schön und lässt die goldenen Statuen eindrucksvoll funkeln. Der prachtvolle Palast mit seinen wunderschönen Parkanlagen und Springbrunnen zählt zu den schönsten barocken Ensembles der Welt. Peterhof gilt als die Fontänen-Hauptstadt Russlands, was nicht übertrieben erscheint. Die Kaskade vom Samson-Brunnen mit ihren 144 Fontänenist eine der schönsten weltweit. Der Besuch am Abend hat neben den angenehmen Lichtverhältnissen noch einen Vorteil: Die meisten Touristen sind bereits wieder abgereist. Es gibt mehrere Möglichkeiten, die große Anlage zu besichtigen. Aufgrund der fortgeschrittenen Uhrzeit beschränke ich mich diesmal auf den Besuch im unteren Schlosspark. Schloss Peterhofsteht, man mag es vermuten, natürlich auf der UNESCO-Weltkulturerbe-Liste.

Erst Petersburg-Hymne, dann Wasser aus!

Eine Besonderheit, die mir bisher nicht bekannt war, ist die Tatsache, dass der Brunnen am Abend abgeschaltet wird. Pünktlich um 18:00 Uhr ertönt die Petersburg-Hymneaus zahlreichen Lautsprechern im Park. Langsam werden dann immer mehr Kaskaden abgeschaltet, bis nur noch die große Fontäne aus dem Löwenmaul, welches der goldene Samson aufreißt, in den blauen Abendhimmel empor schießt. Zum Ende der Hymne wird auch diese große Fontäne immer kleiner, bis sie schließlich ebenfalls versiegt. Erst am nächsten Vormittag um 11:00 Uhr werden die Fontänen, von selbigen Musikklängen untermalt, wieder angeschaltet und die Besucher in ihren Bann ziehen. Nach diesen beeindruckenden Erlebnissen entschließe ich mich, die Rückfahrt in Richtung St. Petersburg anzutreten. Ich möchte die letzte Fähre an diesem Abend nicht verpassen.

Kurzer Zwischenstopp vor den magischen Momenten an der Newa

Nach dem Abendessen in einem wunderbaren Restaurant in St. Petersburg kehre ich kurz zur MS Hamburg zurück. Ich muss zugeben, dass ich sehr gespannt bin, was mich wohl während einer dieser berühmten, Weißen Nächte in St. Petersburg erwarten wird. Der Tag scheint nicht enden zu wollen und trotz meines Schlafmangels bin ich hellwach. Die Sonne ist längst untergegangen, doch in Richtung Norden leuchtet der Himmel in einem diffusen, weiß-rötlichen Licht. Es ist bereits nach Mitternacht, als sich auf der Newa unzählige Boote tummeln und die Flussufer immer voller werden.

Weiße Nächte

Ich habe das Gefühl, es passiert etwas Seltsames. Kurz vor 02:00 Uhr ergattere ich einen Platz gegenüber der Eremitage, direkt am Flussufer an der Schlossbrücke. Was genau wird hier wohl passieren? Lokale Musikgruppen spielen zur rechten Seite, die Einheimischen sind gut gelaunt und singen mir unbekannte Lieder Überall herrscht eine einzigartige Partystimmung. Die Fröhlichkeit und Ausgelassenheit der Menschen ist beeindruckend. Näher am Geschehen dran sein kann ich nicht. Das Dämmerlicht setzt die architektonischen Prunkbauten um mich herum atemberaubend in Szene. Die Atmosphäre ist unwirklich. Ich bin total begeistert und genieße diese Nacht. Es sind wirklich magische Momente an der Newa in St. Petersburg.

Doch der eigentliche Höhepunkt steht erst noch bevor. Nicht nur bei Verliebten sorgen die folgenden Minuten für eine Extraportion Herzklopfen. An den Laternenpfählen sind Lautsprecher befestigt, aus denen nun sehr laut klassische Klänge ertönen. Es sind Stücke des russischen Pianisten Denis Mazujew, wie ich von einem russischen Ehepaar neben mir erfahre. Wenig später öffnet sich die hell erleuchtete Schlossbrücke vor der Eremitage und hunderte kleiner Boote fahren hupend durch diese hindurch. Kurz darauf folgen unzählige Frachtschiffe. Der Hintergrund ist eigentlich ganz simpel. Jede Nacht werden 13 der insgesamt mehr als 300 Brücken in St. Petersburg für die Durchfahrt größerer Frachtschiffe geöffnet. In den Sommermonaten wird daraus, insbesondere rund um die Schlossbrücke, ein Spektakel der besonderen Art.  Für die nächsten Stunden ist eine Überquerung der Newa nicht möglich.

Erst um 03:00 Uhr leert sich das Flussufer der Newa langsam und es kehrt wieder Ruhe ein. Das Thermometer zeigt 16 Grad, gleich geht die Sonne auf. Ich bin überhaupt nicht müde, als ich um 04:00 Uhr zurück an Bord der MS Hamburg komme. Es war ohne Übertreibung ein echter Sommernachtstraum in St. Petersburg. So sind sie also, die berühmten Weißen Nächte an der Newa.

Weiße Nächte – Mit dem Boot durch die Kanäle

13. Juni 2018, es ist für mich Tag 2 in St. Petersburg. Nach dem Frühstück entschließe ich mich zu einer Bootsfahrt auf der Newa, die sich als sehr interessant herausstellt. Auf beschauliche Weise lassen sich die schönsten Sehenswürdigkeiten der Stadt erkunden. Zum Teil habe ich diese bereits gestern vom Bus aus gesehen, aber die Bootsfahrt lohnt sich insgesamt trotzdem, denn die Boote fahren nicht nur entlang der Newa, sondern biegen auch in die vielen, kleinen Seitenkanäle ab. Nach meiner kurzen Nacht kommt mir die beschauliche Bootsfahrt ohnehin sehr gelegen.

Weiße Nächte

 

Am Nachmittag erhalte ich eine private Führung auf dem Museumseisbrecher Krasin, die sehr informationsreich ist. Gebaut wurde das 100m lange, 5.484 BRZ große und 10.000 PS starke Schiff im Jahr 1917. Zwischen 1953 und 1960 fand in Wismar ein großer Umbau statt, während dem das Schiff komplett neue Aufbauten erhalten hat. Lange Zeit war die Krasin der stärkste Eisbrecher seiner Klasse. Bis in die 1990er Jahre versah das Schiff seinen Dienst, heute liegt der Eisbrecher an der Newa in St. Petersburg als Museumsschiff. In den Sommermonaten werden Führungen angeboten, die regulär nur in größeren Gruppen durchgeführt werden.

Am Abend nimmt die MS Hamburg Kurs auf das nächste Ziel, den 476 Seemeilen entfernten Hafen von Riga in Lettland. Dazwischen liegt ein Seetag. Noch ein letztes Mal genieße ich beim Auslaufen den Blick auf die Skyline von St. Petersburg, bevor zwei Stunden später der Finnische Meerbusen erreicht wird.

Weiße Nächte – ein Tag auf See

14.06.2018, den heutigen Seetag gestalte ich ruhig. Hier ein kurzer Auszug aus dem Bordprogramm der MS Hamburg:

08:00 – 10:00 Uhr Frühstücksbuffet

08:30 – 09:30 Uhr Fit am Morgen auf dem Pooldeck

10:00 Uhr Vortrag über das Baltikum von Dr. Ludger Feldmann in der Lounge

11:00 Uhr Früchte schnitzen auf dem Pooldeck

11:30 -12:15 Uhr Musikalischer Frühschoppen auf dem Pooldeck

14:30 Uhr Dart auf dem Pooldeck

17:00 Uhr Übertragung des Fussballspiels Belgien : England

18:30 Uhr Repeater-Cocktail

21:00 Uhr Showtime in der Lounge

Weiße Nächte – Willkommen in Riga, die Stadt mit Ausblick

Pünktlich um 08:00 Uhr am 15. Juni 2018 macht die MS Hamburg in unmittelbarer Nähe zur Altstadt von Riga fest. Rigas Stadtbild ist geprägt von Museen, Konzertsälen, wunderschön restaurierten Jugendstilfassaden und mittelalterlichen Straßenzügen. Es gibt einige Aussichtspunkte in Riga, die es sich lohnt zu besuchen.

Der Domplatzin Riga wird derzeit von 140 Bären belebt, denn dort gastiert gerade die United Buddy Bears World Tour. Auf Einladung der Deutschen Botschaft ist die bekannte Ausstellung für 10 Tage auf dem Domplatz der lettischen Hauptstadt zu bestaunen. Der Besuch der Bären im Baltikum ist ein Geschenk Deutschlands an die Einwohner Lettlands zum 100-jährigen Jubiläum der Staatsgründung. Die Ausstellung setzt weltweit ein Zeichen für Toleranz und Völkerverständigung. Jeder der 2m hohen Bärenfiguren repräsentiert ein Land der Vereinten Nationen und wurde von einem Künstler des jeweiligen Landes gestaltet.

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Anschließend besuche ich die Latvian Academy of Sciences. Das 107m hohe Gebäude der Lettischen Akademie der Wissenschaften gilt mit seinen 21 Etagen als das erste Hochhaus in Lettland. Fertiggestellt wurde es im Jahr 1958. Von der offenen Dachterrasse aus hat man eine perfekte Sicht über Riga bis hin zum 368,5m hohen Fernsehturm.

Von der Lettischen Akademie der Wissenschaften schlendere ich hinüber zum Riga Central Market. Der Zentralmarkt ist der größte in Lettland, liegt nur unweit von der Altstadt entfernt und überzeugt durch sein Angebot an lokalen Produkten. In den 1930er Jahren galt er als der größte Markt in Europa.

Ein weiterer, hervorragender Aussichtspunkt über die Dächer der Altstadt ist die Aussichtsplattform in der Spitze der Petrikirche. Die Petrikirche ist mit 123m die höchste Kirche in Riga. Sie wurde im 2. Weltkrieg fast komplett zerstört. Der heute existierende Turm ist anhand alter Pläne rekonstruiert worden und besitzt eine Stahlkonstruktion. Die Außenwände der Seitenschiffe stammen noch vom Gebäude der alten Kirche aus dem Jahr 1209. Seit 1997 steht die Petrikirche auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbe. Im Vergleich zum Ausblick von der Akademie der Wissenschaften, schaut man vom Turm der Petrikirche direkt auf die darunter gelegene Altstadt von Riga samt Dom.

 

Bevor ich zurück zum Liegeplatz der MS Hamburg laufe, schaue ich mir noch den wunderschön angelegten Livu Square an. Es ist einer der ältesten und schönsten Plätze der Stadt. Sitzbänke laden genauso zum Verweilen ein, wie die zahlreichen Cafés und Restaurants um den Platz herum.

Damit schließt sich mein heutiger Rundgang, der natürlich noch deutlich ausgedehnter hätte ausfallen können. Wie immer gilt aber, dass ich mir von allen Städten einen ausreichenden Eindruck verschaffen möchte. Es ist meist unmöglich, alle Besonderheiten und Sehenswürdigkeiten einer Stadt während der begrenzten Liegezeiten im Rahmen einer Kreuzfahrt zu erkunden. Mein Fokus liegt dabei immer auf der kulturellen Seite. Um z.B. eigene, seriöse Restauranttipps geben zu können, würde ich diese vorher gerne selbst testen. Aus Zeitgründen ist das meist jedoch nicht möglich. Rein optisch betrachtet ist mir heute ein Burger-Restaurant in der Altstadt aufgefallen, das Moon Shine. Die Einrichtung orientiert sich an amerikanischen Diners der 50er und 60er Jahre. Mit einigen Autokarosserien als Eyecatcher. Die Burger und andere Speisen auf der Speisekarte sehen qualitativ hochwertig aus, das Ambiente ist klasse.

Weiße Nächte – nächster Halt Klaipeda

 Um 08:00 Uhr erreicht die MS Hamburg wie geplant am nächsten Tag ihren Liegeplatz in Klaipeda. In der Altstadt von Klaipeda sind viele restaurierte Fachwerkhäuser aus dem 17. bis 19. Jahrhundert zu bestaunen. Als Wahrzeichen der Stadt gilt der Simon-Dach-Brunnen auf dem Theaterplatz. Er ist dem deutschen Dichter Simon Dach gewidmet. In der Mitte des Brunnens steht die aus einem Volkslied bekannte Figur Ännchen von Tharaubzw. eine Nachbildung davon. Das Original kam nach dem 2. Weltkrieg abhanden.

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Auf dem Fluss Dane liegt das ehemalige Segelschulschiff „Meridianas“, dass seit 1967 keine Funktion mehr als Ausbildungsschiff hat. Bis 2012 beherbergte es ein Restaurant. Nach einem Besitzerwechsel und einer damit verbundenen Restaurierung, befindet sich seit 2013 ein Museum an Bord. Unweit davon entfernt steht eine kleine Bronze-Maus auf einem Stein. Glaubt man der Idee des Künstlers, so handelt es sich dabei um eine „Magische Maus“. Man soll seine Wünsche ins Ohr der Maus flüstern und diese gehen dann in Erfüllung. Der Markt in Klaipeda ist klein und überschaubar. Angeboten werden überwiegend lokale Produkte. Klaipeda ist die älteste Stadt Litauens.

Die winzigen Fachwerkhäuser in der Innenstadt werden von verschiedenen Kunstorganisationen, Schriftstellern, Künstlern und Fotografen genutzt. Es finden sich entsprechend viele kleine Kunstgalerien, Museen, Souvenirläden und auch schöne Cafés in der Altstadt. Mit einem Rundgang durch die nett angelegten Hafenanlagen, entlang der Kanäle und über die Befestigungsmauer der kleinen Festung beende ich meinen Rundgang. Um 13:00 Uhr heißt es dann auch schon, „Alle an Bord“ mit Kurs auf den letzten Hafen während dieser abwechslungsreichen Ostseekreuzfahrt. Morgen Früh erreicht die MS Hamburg Karlskrona in Schweden.

Weiße Nächte – Karlskrona, auf den ersten Blick unscheinbar

Die UNESCO-Welterbe-Stadt Karlskrona entstand ursprünglich auf mehr als 30 Inseln, was sich heute noch auf das Stadtbild auswirkt. Einer der größten Arbeitgeber der Stadt ist die örtliche Marinebasis. Die Wege zwischen den einzelnen Sehenswürdigkeiten sind kurz. Eine kleine „Bimmelbahn“ steht für die Gäste der MS Hamburg im regelmäßigen Pendelverkehr zwischen Liegeplatz und Innenstadt bereit. Dieser ist in Klaipeda übrigens etwas ungewöhnlich. Das Schiff liegt direkt neben einem Stellplatz für Campingmobile. Als am frühen Morgen des 17. Juni 2018 die ersten Jalousien an den Fenstern der Wohnmobile hochgezogen werden, staunen die Besitzer nicht schlecht, als der weiße Schiffsbug der MS Hamburg quasi direkt vor dem Campingmobil zu sehen ist.

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Karlskrona liegt mitten in den Schären. Die Menschen treffen sich hier um zu relaxen und eine schöne Zeit zu verbringen. Das kann man in Karlskrona wirklich sehr gut. Im Jahr 1998 wurde die Innenstadt in die UNESCO-Weltkulturerbe-Liste aufgenommen. Das Stadtbild mit seinen breiten, barocken Straßen und Prachtgebäuden ist wunderschön anzusehen. Die vielen Zitadellen, Festungsanlagen und idyllischen Inseln sind beliebte Ausflugsziele, die man in kürzester Zeit zu Fuß oder mit dem Boot erreichen kann. Gerade in den Sommermonaten lohnt es sich, mit dem Schärenboot auf eine der vielen Inseln vor der Stadt zu fahren.

Beliebt ist ein Besuch im großen Marinemuseum. Außerdem kommen Angler, Wanderer und Radfahrer in der Umgebung von Karlskrona gleichermaßen auf ihre Kosten. Interessant: In Karlskrona gibt es keine Hop-on-Hop-off Busse, sondern Boote. Das macht hier auch Sinn. Es ist die perfekte Art, den Sommer in der Stadt zu genießen. Ebenfalls mit dem Boot erreichbar ist die Festung Kungsholm auf einer Insel vor Karlskrona.

Das wohl bekannteste und schwedischste aller Motive ist die Ansammlung 43 roter Holzhäuser auf der Insel Brändaholm. In den Vorgärten wehen jeweils schwedische Fahnen.  Keine Häusergruppe wurde in Schweden öfter in Magazinen, auf Postkarten und in touristisch relevanten Publikationen abgebildet wie die Häuser von Brändaholm.

Weiße Nächte

 

Nicht weniger idyllisch ist das Bild entlang der Promenade vor der kleinen Insel Stakholmen, die über einen schmalen Holzsteg erreichbar ist. Die Aussicht von der Insel in Richtung Stadtzentrum und auf die benachbarten Inseln ist wunderschön. Der Perfekte Ort für eine Pause!

Auf den ersten Blick erscheint Karlskrona eher unscheinbar, doch schaut man genauer hin, so lassen sich eine ganze Fülle an liebenswerten Dingen entdecken. Dazu gehört zweifelsfrei auch der größte Platz der Stadt, der Stortorget. Er liegt zentral auf dem höchsten Punkt der Insel Trossö und wird von mehreren monumentalen Gebäuden eingerahmt. Die Frederick-Kirche, das Rathaus, das Gerichtsgebäude und die Dreifaltigkeitskirche sind nur einige Beispiele. Die Straßen in der unmittelbaren Umgebung eignen sich hervorragend zum Shoppen.

Gerne wäre ich noch etwas länger durch die Straßen von Karlskrona gelaufen, doch die Abfahrtzeit der letzten „Bimmelbahn“ in Richtung MS Hamburg rückt schnell näher. Um 13:00 Uhr verlassen wir schließlich die einzige Barockstadt in Schweden und nehmen Kurs auf den Ausgangshafen dieser Ostseekreuzfahrt – Kiel.

Ich genieße einen letzten Abend auf dem Sonnendeck der MS Hamburg, während die untergehende Sonne den Abendhimmel noch einmal in einen faszinierenden Mix an Rottönen taucht. Das Wetter hätte besser nicht sein können, die Temperaturen erreichten in St. Petersburg Höchstwerte von 30 Grad und sind auch in den anderen Häfen nur unbedeutend niedriger gewesen. Ein Sommer in Skandinavien muss nicht kalt und verregnet sein! Man hat auf einer Ostseekreuzfahrt durchaus besseres Wetter, als zur gleichen Jahreszeit im Mittelmeer. Ein Trend, der sich in den letzten Jahren vermehrt abgezeichnet hat.

Nach 2.192 Seemeilen erreicht die MS Hamburg am frühen Morgen des 18. Juni 2018 die Landeshauptstadt Kiel. Hier hat meine Ostseekreuzfahrt mit der MS Hamburg vor 12 Tagen begonnen. Ich kehre zurück mit vielen wunderbaren Eindrücken.

Das Fazit der Kreuzfahrt

Das Fazit fällt ganz unkompliziert knapp aus. Die Route zählt zwar nicht zu den ausgefallenen, dennoch steckt sie voller interessanter Destinationen. Mag sein, dass man die eine oder andere Stadt im Rahmen einer Städtereise in der Vergangenheit besucht hat, es ist aber ein klasse Erlebnis, die Städte auf dem Seeweg zu erreichen und neu zu entdecken. So bleibt besonders die Einfahrt nach Stockholm durch die Schärenwelt in bester Erinnerung, auch wenn Stockholm bei mir weniger punkten konnte. Das Städte-Highlight war zweifelsfrei St. Petersburg, dicht gefolgt von Tallinn und Riga. Das wunderbare Wetter hat den passenden Rahmen geboten. Insgesamt war es eine herrliche Kreuzfahrt, mit den Weißen Nächten auf See und an Land als Sahnehäubchen garniert.

Ich bedanke mich herzlich bei Oliver Asmussen von Oceanliner pictures für den tollen Gastbeitrag. 

Alle Fotos wurden mir von Oliver Asmussen zur Verfügung gestellt. 

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Ostseekreuzfahrt mit der MS Hamburg – Reisebericht Teil I

2 thoughts on “Weiße Nächte mit der MS Hamburg – Ostseekreuzfahrt Teil II

  1. Michael PFEFFER says:

    Wieder ein interessanter Ostsee Bericht mit einem unserer Lieblings Schiffe der MS Hamburg. Allerdings haben wir die große Ostseereise 2015 mit der AIDAcara gemacht. Besonders in Erinnerung blieb mir eine Begegnung auf der kurischen Nehrung, als ein junger Elch 4m neben uns am Waldrand von einem Busch Blätter fraß. Die Ostsee ist aber immer eine Kreuzfahrt wert.

    • Brina Stein says:

      Lieber Mike, danke! Die Elch-Geschichte vergißt man sicher nie, toll! Ich war selbst schon drei Mal im Baltikum und habe bei jeder neuen Reise neue Dinge entdeckt, glg Brina

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