Panamakanal – Die spektakulärste Schiffspassage weltweit

Mit der MS Hamburg von Plantours Kreuzfahrten zu den spannendsten Häfen zwischen Panama und Nicaragua.

Im Februar 2019 fuhr Oliver Asmussen von oceanliner.pictures mit der MS Hamburg durch den Panamakanal, die wohl spektakulärste Schiffspassage weltweit. 

Ihr könnt im heutigen Blogbeitrag lesen, welche Eindrücke mein Gastautor gesammelt hat und wie diese Passage genau vor sich geht.

Panamakanal – Tag 16: 13. Februar 2019 Durchfahrt 

Panamakanal
Die MS Hamburg erreicht den Panamakanal

Guten Morgen PanamaPanamakanal

Bereits in der Nacht hat die MS Hamburg die endgültige Warteposition vor der Zufahrt zu den Miraflores Schleusen eingenommen. Kurz vor 07:00 Uhr zeigten sich die ersten Sonnenstrahlen und tauchten die Skyline von Panama City in ein diffuses Licht. Um 08:00, als viele Passagiere noch das Frühstück genießen, kommt das Kommando des Lotsen, „Es kann losgehen.“ Mit 6 Knoten Fahrt nimmt die MS Hamburg Kurs auf die Puente de las Américas, einer spektakulären Auslegerbrücke, welche die Stadt Panama City mit dem westlichen Teil des Landes verbindet.

Die spektakulärste Schiffspassage weltweit

Die Puente de las Americas wurde im Jahr 1962 fertiggestellt und war bis zum Jahr 2004 die einzige Straßenverbindung zwischen Nord- und Südamerika und ein wichtiger Teil der Panamericana. Mit einer Länge von 1.654m und einer Höhe von 117m stellt stellte die Puente de las Amerikas schon bei ihrer Eröffnung am 12.10.1962 aber keine neuen Rekorde auf. Es gab seinerzeit bereits größere Brücken ihrer Art. Ihre Durchfahrtshöhe von 61,3m ermöglicht auch größeren Schiffen eine Passage des Panamakanals. Die Hauptöffnung über der Mitte des Kanals hat eine Spannweite von 343,81m. Bis zu den Miraflores-Schleusen sind es nach der Brückenpassage noch 6 Kilometer. Die Durchfahrt des Panamakanals gilt als spektakulärste Schiffspassage weltweit.

Panamakanal – Die Miraflores-Schleusen

Panamakanal
Treidellokomotiven ziehen die MS Hamburg

Um 09:00 Uhr erreicht die MS Hamburg die Miraflores-Schleusen. Zwei, von Mitsubishi gebaute, jeweils 45 Tonnen schwere Treidellokomotiven sorgen bei der Einfahrt und während der Schleusung dafür, dass die MS Hamburg stets einen ausreichenden Abstand zu den Schleusenwänden hält. Die Loks werden angetrieben von je zwei Antriebseinheiten mit 290 PS. Als Treidellokomotiven werden längs von Gewässern fahrende Lokomotiven bezeichnet, die zum Treideln (also zum Ziehen) von Schiffen dienen. Früher war dieses System auch in der Binnenschifffahrt weit verbreitet, heute ist die bekannteste Treidelstrecke die am Panamakanal. Direkt neben den Miraflores-Schleusen befindet sich ein großes Visitor Center mit integriertem Museum.

Panamakanal – Pedro-Miguel-Schleusen

Die beiden Schleusen des Miraflores Schleusensystems heben die MS Hamburg um rund 16m an. Je nach Wasserstand des Pazifiks, beträgt die maximale Hubhöhe 20m. Nachdem die Miraflores Schleusen passiert sind, folgen wenig später die Pedro-Miguel-Schleusen, welche die MS Hamburg um weitere 10m anheben. Insgesamt beträgt der Höhenunterschied zwischen dem Panamakanal bzw. dem aufgestauten Gatún-Sees und den beiden Ozeanen 26m. Die alten Schleusen des Panamakanals begrenzte die maximale Größe der Schiffe auf 294×32,2m. Diese Größe – auch als Panmax bezeichnet – beeinflusste viele Jahre lang den Schiffbau, wollten die Reedereien mit ihren Schiffen auch den Panamakanal nutzen. Seit dem Jahr 2016 besteht diese Größenbegrenzung nicht mehr. Dazu später mehr.

Panamakanal – Puente Centenario

Panamakanal
Durchfahrt unter der Puente Centenario

Nach dem Passieren der beiden Schleusensysteme folgt sogleich das nächste Highlight, die Durchfahrt unter der Puente Centenario, der Jahrhundertbrücke. Bei der beeindruckenden Puente Centenario handelt es sich um eine im Jahr 2004, nach nur zwei Jahren Bauzeit fertiggestellte, Schrägseilbrücke. Ihre Gesamtlänge beträgt 1.052m, die beiden Pylone sind jeweils 184m hoch. Die Brücke kann von Schiffen mit einer Höhe von 80 passiert werden.

Panamakanal – Der Culebra Cut

Gleich nachdem die Puente Centenario durchquert ist, befindet sich die MS Hamburg in einem ganz besonderen Abschnitt vom Panamakanal, dem Culebra Cut, früher auch Gaillard Cut genannt. Um den Bau des Panamakanals zu realisieren, musste ein künstlicher Kanal geschaffen werden. Dieser verbindet den Gatún-See mit dem Golf von Panama. Dafür wurde ein künstliches Tal durch den Culebra Bergrücken getrieben, der sich an dieser Stelle befindet. Der 12,6km lange Culebra Cut hieß bis zum Jahr 2000 Gaillard Cut, nach dem US-Major, der die Bauarbeiten anführte.

Panamakanal – Der Gatún-See

Die MS Hamburg passiert Gamboa, die einzige größere Ortschaft am Panamakanal. In Gamboa mündet der Rio Chagres in den Kanal. Der Rio Chagres liefert das für den Betrieb der Kanalschleusen benötigte Wasser und sorgt für einen gleichbleibenden Wasserpegel im Kanalsystem bzw. auf dem aufgestauten Gatún-See.

Auf einer Strecke von 29 Kilometern verläuft der Panamakanal durch den Gatún-See, der zum Teil so flach ist, dass die Fahrrinne ausgebaggert werden musste. Rund 9 Stunden später, nach knapp 82km erreicht die MS Hamburg die Gatún-Schleusen, welche aus insgesamt drei Schleusenkammern mit jeweils 9m Hubhöhe bestehen. Hinter dem letzten Schleusentor wird der Weg frei in den Atlantik. Eine faszinierende und in jeder Hinsicht beeindruckende Kanalpassage liegt nun hinter uns.

Panamakanal – Panmax in neuen Dimensionen (420x55x18,3m)

Panamakanal
MS Hamburg bei Gatún

Die immer größer werdenden Frachtschiffe machten eine Erweiterung des Panamakanals notwendig. Nach dem Suezkanal ist der Panamakanal die zweitwichtigste Wasserstraße der Welt, mit einem Frachtdurchsatz von 300 Millionen Tonnen pro Jahr. Bislang war der Kanal lediglich für Schiffe mit einer Länge von 294m und einer Breite von 32,2m befahrbar. Der Tiefgang war begrenzt auf 12m. Die Ladekapazität bei Containerschiffen dieser Größe liegt ungefähr bei 4.400 Containern, was im Vergleich mit jener auf den Schiffen der neuesten Generation sehr wenig ist. Auch beim Bau von Kreuzfahrtschiffen mussten die Reedereien bzw. die Ingenieure diese Panmax-Abmessungen im Auge behalten, wollten sie ihre Schiffe durch diese Wasserstraße fahren lassen. Das hat sich etwas mehr als 100 Jahre nach Eröffnung des Panamakanals im Jahr 2016 geändert. 40.000 Arbeiter räumten 150 Millionen Kubikmeter Erde und Geröll ab, verbauten zwölf Millionen Tonnen Zement sowie 192.000 Tonnen Stahl. Die neuen Schleusen haben gigantische Ausmaße. Sie sind mehr als 420m lang, 55m breit und 18,3m tief. Die Schleusentore sind 57m lang, 33m hoch und 10m breit, das ist Weltrekord. Seit der Eröffnung der neuen Schleusen können Containerschiffe mit einer Ladekapazität von 14.000 Containern den Panamakanal passieren. Der Umbau hat 5,25 Milliarden US-Dollar gekostet. Der Frachtdurchsatz ist mit rund 600 Millionen Tonnen im Jahr nun nahezu doppelt so hoch.

Die MS Hamburg hat inzwischen die offene See erreicht, muss dort aber noch zwei Stunden verweilen, bis der Liegeplatz im Hafen von Colón von einem anderen Kreuzfahrtschiff freigegeben wird. Um kurz vor 21:00 Uhr sind die Leinen fest. Damit endet offiziell Morgen der erste Teil meiner Kreuzfahrt von Valparaiso nach Havanna.

Vielen Dank, lieber Oliver, für diese interessanten Schilderungen 🙂 .

Alle Fotos wurden mir von Oliver Asmussen von oceanlinerpictures zur Verfügung gestellt.

Hier geht es zum kompletten Reisebericht:

Reisebericht Teil 2: Kreuzfahrt von Valparaíso bis Havanna mit der MS Hamburg

2 thoughts on “Panamakanal – Die spektakulärste Schiffspassage weltweit

  1. Michael PFEFFER says:

    Liebe Brina. Wir haben diese Reise mit der MS Hamburg durch den Panama Kanal 2013 gemacht und das ist wirklich sehe spektakulär. Ich glaube ich bin von der Einfahrt bis zur Ausfahrt immer an Deck gestanden so fasziniert war ich. Lg. Mike

    • Brina Stein says:

      Lieber Mike, da hattest Du dann ja ein schönes „Wiedersehen“ im Blog. Bei mir steht der spannende Kanal noch auf der Bucket List. Glg Brina

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