Der Wandel im Ostseeheilbad Travemünde

Lübecks „schöne Tochter“ Travemünde – mein Heimathafen – wurde bereits 1187 gegründet. 1913 wurde die Stadt Travemünde nach Lübeck eingemeindet. Ich habe einen großen Teil meiner Kindheit und Jugend im heutigen Ostseeheilbad verbracht und kenne es noch, als quer durch den Priwall die Grenze zur DDR verlief. Wir lagen im „Westen“ fröhlich am Strand, während der Strand im „Osten“ menschenleer war. Mit meinem Onkel segelte ich oft auf die Ostsee hinaus, das Patroullienboot der DDR-Wache hatte ihre Grenze dabei fest im Blick. Diese Zeiten gehören zum Glück der Vergangenheit an. Im Mai und Juni diesen Jahres verbrachte ich einige Wochen in Travemünde und konnte mir über den baulichen Wandel von Travemünde selbst ein Bild machen.

Der Wandel im Ostseeheilbad Travemünde – wie viel „Waterfront“ geht in Travemünde?

Es begann harmlos, 2007 wurde eine sieben Hektar große Teilfläche des Priwalls an die Waterfront AG verkauft. Trotz Bürgerinitiativen und eingeschränkten Bebauungsplänen erfolgte im Oktober 2015 der erste Spatenstich. Eine Bauzeit von drei Jahren war damals angedacht, doch heute stellt sich raus, dass frühestens 2020 alle Baumaßnahmen abgeschlossen sind. Die dreigeschossigen Prommenadenvillen stehen schon, genau so wie das Parkhaus, siehe Foto.

Dahinter befindet sich die wohl größte Baustelle der Ostsee und das zu einem Zeitpunkt, wo die Saison schon begonnen hat. In der sehr schön neu gestalteten und verlagerten Seglermesse relaxte ich für eine Tasse Kaffee, aber es war mir einfach zu laut. Ich schaute zur Viermastbark Passat hinüber und versuchte mir vorzustellen, was die alte Lady wohl über diese Veränderung der Ansicht des Priwalls sagen würde, die schon so lange im Hafen von Travemünde liegt. Ich stieß auf ihren Taufspruch:

Der Sturm bedroht in der Nordsee den Segler.
Dichter Nebel im verkehrsreichen Kanal bereitet Gefahr.
Des Ozeans ganze Wucht trifft ihn in der Biscaya.
Erst wenn der Wendekreis überschritten,
zieht mit den vom Passat geschwellten Segeln das Schiff in schnellem Lauf seinem Ziele zu.
Mögen günstige Winde Dich, Du stolzes Schiff,
stets schnell und sicher in den schützenden Hafen geleiten.
Diesem Wunsche soll Dein Name Ausdruck geben.
Ich taufe Dich Passat.

Foto: madle-fotowelt

 

Der schützende Hafen, welchen Schutz wird er der „Passat“ in Zukunft bieten? Unlängst kamen in den Medien Ideen auf, dort am alten Liegeplatz ein neues Kreuzfahrtterminal zu bauen und die „Passat“ auf die andere Seite der Trave zu schaffen.

Den Erhalt der Viermastbark Passat kann man mit einer Mitgliedschaft im Verein unterstützen:

https://www.rettetdiepassat.de/de/

Der Wandel im Ostseeheilbad Travemünde – vom Aqua-Top zum HighEnd – a-ja!

Foto: Ausblick vom Eingang des Maritim-Hotels auf die Baustelle

2011 wurden die letzten Gebäudteile des ehemaligen Schwimmbades Aqua-Top abgerissen. Schon zur diesjährigen Travemünder Woche im Juli soll das neue Hotel a-ja am Leuchtenfeld eröffnet haben, dass neben der Luxusanlage HighEnd auf dem ehemaligen Gelände entstanden ist. Die 108 Wohnungen in der Ferienanlage HighEnd waren bereits im März diesen Jahres alle komplett verkauft.

Ein Preis-Check des a-ja-Hotels bei booking.com lässt mich nachdenklich werden:

Preis Doppelzimmer 2 Personen während der Travemünder Woche: 22.-23.07.18

a-ja-Travemünde: Ab 238 EURO inkl. Frühstück

A-Rosa Travemünde: Ab 268 EURO inkl. Frühstück

Maritim-Hotel Travemünde: ab 230 EURO inkl. Frühstück

Atlantic Grand Hotel Travemünde: 249 EURO inkl. Frühstück.

Die a-ja-Resorts sind im 3-Sterne-Bereich angesiedelt, während es sich bei den anderen genannten Hotels um 4- und 5-Sterne-Hotels handelt. Das man teilweise aus den untersten Stockwerken des Maritim-Hotels nun keinen Blick mehr auf den gegenüberliegenden Priwall und die Passat hat, finde ich traurig.

Der Wandel im Ostseeheilbad Travemünde – was wird vom traditionellen Fischereihafen übrig bleiben?

Foto: Eins der Kunstprojekte vom Skulpturenpfad im Godewindpark

Der urige Fischereihafen am Baggersand bekommt ebenfalls wie die Zeitung Lübecker Nachrichten schreibt, eine „Frischzellenkur“. 200 Eigentumswohnungen und eine Promenade mit Hafencharme soll entstehen. Die alten Hallen wurden bereits abgerissen und so hat man momentan einen freien Blick vom Parkplatz Baggersand auf die Trave. Dieser Parkplatz soll auch noch bebaut werden und daher wird im ersten Schritt ein neuer Parkplatz gebaut, wo früher die Straße entlang des Skandinavienkais führte. Ich kaufe sehr gern frischen Fisch beim Fischer im Hafen und esse dort auch gern mein Fischbrötchen. Es bleibt zu hoffen, dass die jetzigen Verkaufsstände und urigen Buden erhalten bleiben.

Fazit: Dies sind nur einige der Baustellen momentan in Travemünde, aber die, die am meisten das neue Gesicht meines Heimathafens prägen werden und die für den Wandel stehen. Travemünde bekommt ein neues Gesicht! Die kleine Baustelle am Kreuzfahrtterminal am Ostpreußenkai fällt vermutlich nur den Fotografen auf, die sich darüber ärgern, dass sie den Bug der Schiffe nicht ohne Baugerüst ablichten können.

Vielleicht auch interessant?

„Passat“ im Juli 2016: Von der Waterkant zur Waterfront!

 

Comments:

  1. Mike Pfeffer says:

    Der Fortschritt macht halt auch vor Travemünde nicht halt.

    • Brina Stein says:

      Lieber Mike, so ist das wohl tatsächlich, viele Grüße Brina